IVA enttäuscht: Zukunftsdepot ohne Aktien und mit fehlender Zukunftsperspektive

Der Interessenverband für Anleger (IVA) zeigt sich von der präsentierten Ausgestaltung des Zukunftsdepots enttäuscht. Was als wichtiger Schritt zu einer Aktienkultur angekündigt wurde, entpuppt sich bisher als halbherziges Fördermodell mit erheblichen Schwächen. Die Chance auf eine nachhaltige Verbesserung der Kapitalmarktpartizipation und der privaten Vorsorge wird weitgehend verschenkt.

„Die Regierung will eine Aktienkultur schaffen, verbietet jungen Anlegern aber ausgerechnet die Aktie. Das ist Kapitalmarktförderung mit angezogener Handbremse. Aus einem mutigen Reformprojekt ist ein eng begrenztes Fondssparmodell geworden“, kritisiert der IVA-Präsident Florian Beckermann die bisher bekannten Details.

Besonders unverständlich ist der generelle Ausschluss von Einzelaktien – insbesondere österreichischen Titeln. Wer junge Menschen an den Kapitalmarkt heranführen möchte, sollte ihnen auch die Möglichkeit geben, sich unmittelbar an Unternehmen zu beteiligen. Aktien vermitteln nicht nur Renditechancen, sondern auch Eigentumsrechte, Dividendenansprüche und Mitbestimmung auf Hauptversammlungen. Diese wesentlichen Elemente einer lebendigen Aktionärskultur und Aktionärsverantwortung bleiben beim Zukunftsdepot außen vor.

Stattdessen beschränkt sich die Förderung im Wesentlichen auf Fonds und ETFs. Diese sind für den langfristigen Vermögensaufbau und die Risikostreuung zweifelsohne sinnvoll. Sie bringen allerdings eigene strukturelle Probleme mit sich. Aktionärsrechte werden nicht unmittelbar vom Anleger, sondern von Fondsgesellschaften ausgeübt. Stimmrechte konzentrieren sich bei großen Vermögensverwaltern und Banken, während der einzelne Anleger kaum Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen hat. Hinzu kommen Kosten, mögliche Interessenkonflikte und die zunehmende Konzentration auf wenige große (ausländische) Indexunternehmen.

Auch die vorgesehene steuerliche Behandlung überzeugt nicht. Während realisierte Kursgewinne begünstigt werden sollen, bleiben laufende Dividenden, Ausschüttungen und Zinserträge nach den bisher bekannt gewordenen Eckpunkten steuerpflichtig. Damit droht der Gesetzgeber bestimmte thesaurierende beziehungsweise steuerlich optimierte Anlagekonstruktionen gegenüber ausschüttenden Veranlagungen zu bevorzugen. Zwar unterliegen in Österreich auch thesaurierende Fonds grundsätzlich der Besteuerung ausschüttungsgleicher Erträge. Gerade deshalb wäre eine klare und produktneutrale Steuerregelung erforderlich.

Mit 18 Jahren ist Schluss – die Versorgungslücke bleibt

Die größte Enttäuschung ist jedoch die fehlende langfristige Perspektive. Mit dem 18. Geburtstag endet die steuerliche Begünstigung für neue Wertzuwächse. Ausgerechnet dann, wenn junge Menschen erstmals selbst Einkommen erzielen und mit dem eigenständigen Vermögensaufbau beginnen, fällt die Förderung weg. Das Zukunftsdepot kann damit ein Startkapital für Ausbildung, Berufseinstieg oder die erste Wohnung schaffen. Eine nachhaltige Antwort auf die wachsende Pensions- und Versorgungslücke liefert es nicht.

„Österreich braucht eine Vorsorgestrategie für das ganze Leben und nicht nur ein Sparprogramm mit Goodies bis zum 18. Geburtstag. Die Regierung ermöglicht ein Startkapital, lässt die Anleger danach aber wieder mit den bekannten steuerlichen Hürden allein. Die horrende Versorgungslücke bleibt unangetastet. Die Rückkehr zur KESt-befreienden Behaltefrist für alle Anleger ist die beste Lösung für die Notwendigkeiten von heute und morgen!“, so IVA-Präsident Florian Beckermann.

Der IVA fordert daher die Zulassung von insbesondere heimischen Einzelaktien unter angemessenen Diversifikationsregeln, eine gleichmäßige steuerliche Behandlung unterschiedlicher Kapitalerträge und klare Vorgaben für niedrige, transparente Produktkosten. Vor allem braucht es eine Anschlusslösung: Das Zukunftsdepot muss in ein dauerhaft steuerbegünstigtes Vorsorgedepot überführt werden können. Der IVA begrüßt jeden ernsthaften Versuch, mehr Menschen für langfristigen Vermögensaufbau zu gewinnen.

Wie können sich Eltern vorbereiten?

Der IVA wird mit Beginn des Zukunftsdepots einen Kurs für Eltern und Interessierte anbieten. Dieser wird relevantes Basiswissen rund um das Zukunftsdepot und zum Thema Anlegerschutz vermitteln. Interessensbekundungen zur Teilnahme bitte über unser Kontaktformular: https://www.iva.or.at/kontakt/