Das Fachforum von IVA, OeVFA, OeKB und BETTERFINANCE diskutierte Mitarbeiterbeteiligung als Instrument für Vermögensbildung, Finanzbildung und stärkere europäische Kapitalmärkte
Wien, 14. Oktober 2026. Mitarbeiterbeteiligung kann weit mehr sein als ein zusätzlicher Vergütungsbaustein. Sie stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen, ermöglicht langfristigen Vermögensaufbau und kann Menschen einen unmittelbaren Zugang zum Kapitalmarkt eröffnen. Das war eine zentrale Botschaft des Fachforums „Mitarbeiterbeteiligung: Antrieb für Vermögens- und Finanzbildung, ein Machtfaktor auf den europäischen Finanzmärkten“, das am 13. Oktober in Wien stattfand.
Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Kapitalmarkt, Recht, Asset Management und Anlegervertretung diskutierten, wie Mitarbeiterbeteiligung in Österreich und Europa breiter verankert werden kann. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen, sondern insbesondere die Frage, wie aus Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern langfristig auch Eigentümer werden können.
Die Präsidentin des Aktienforums Angelika Sommer-Hemetsberger stellte in ihrer Keynote die Chancen einer Mitarbeiterbeteiligung heraus, „gerade die Verbindung von Beteiligung und daraus entstehender Finanzbildung können nachhaltigen Vermögensaufbau fordern“. Florian Beckermann, Präsident des IVA und Friedrich Mostböck, Präsident der OeVFA, betonten die Entwicklung einer anderen Perspektive durch Mitarbeiterbeteiligung auf den Kapitalmarkt, Risiko und langfristigen Vermögensaufbau.
Im ersten Panel standen die Auswirkungen von Mitarbeiterbeteiligung auf Unternehmenskultur, Finanzbildung und Corporate Governance im Mittelpunkt. Gudrun Egger, ERSTE Stiftung, beleuchtete insbesondere den Zusammenhang zwischen finanzieller Bildung und langfristigem Vermögensaufbau. Johannes Pointner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der voestalpine Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung, stellte die Erfahrungen eines der etabliertesten österreichischen Beteiligungsmodelle vor. Bei der voestalpine sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Stiftung heute ein bedeutender Eigentümer. Aus rechtlicher Sicht machte Philip Vondrak, Grama Schwaighofer Vondrak Rechtsanwälte, deutlich, dass komplexe steuer-, arbeits- und gesellschaftsrechtliche Vorgaben die Umsetzung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen weiterhin erschweren. Gleichzeitig wurde auch auf die Risiken hingewiesen. Wenn Arbeitsplatz, Einkommen und ein wesentlicher Teil des privaten Vermögens vom selben Unternehmen abhängen, entsteht ein Klumpenrisiko. Gute Beteiligungsmodelle müssen deshalb verständlich, transparent und in eine breitere Finanzbildung eingebettet sein.
Die europäische Dimension stand anschließend im Mittelpunkt. Aleksandra Maczynska, Managing Director von BETTER FINANCE, zeigte in ihrer Keynote auf, welche Rolle Employee Ownership im Rahmen der europäischen Savings and Investments Union spielen kann. Europa verfüge über hohe private Ersparnisse, gleichzeitig fehle es Unternehmen an Eigenkapital. Mitarbeiterbeteiligung könne einen zusätzlichen Weg eröffnen, Ersparnisse stärker in produktive Investitionen zu lenken. Europa dürfe aber nur eine Richtung vorgeben, ja Empfehlungen aussprechen. Regulation würde zu weit gehen.
Im zweiten Panel „Vom Mitarbeiter zum Kapitalmarktakteur: Wie kann Europa die Mitarbeiterbeteiligung fördern?“ wurde diese Frage, unter der Leitung von Paul Severin, OeVFA, aus vier unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Aleksandra Maczynska brachte die Sicht der europäischen Anlegervertretung ein, Manuel Prieschl von EuropeanIssuers die Perspektive der börsennotierten Unternehmen und Emittenten. Walter Hatak, Head of Responsible Investments bei Erste Asset Management, beleuchtete Mitarbeiterbeteiligung aus Investorensicht, während Günther Ofner, Vorstand und CFO der Flughafen Wien AG sowie Aufsichtsratsvorsitzender der ÖBAG, die Unternehmens- und Eigentümerperspektive einbrachte.
Diskutiert wurde insbesondere, wie unterschiedliche nationale Regelungen, steuerliche Rahmenbedingungen und administrative Hürden die grenzüberschreitende Wirkung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen erschweren. Zugleich wurde deutlich, dass Mitarbeiteraktionäre für Unternehmen eine langfristig orientierte und potenziell stabilisierende Eigentümergruppe darstellen können – wie beim Flughafen Wien.
Den Praxisabschluss bildeten Jörg Ziegler, Managing Director von J.P. Morgan Workplace Solutions, sowie Julia Jäger, Senior Expert Rewards, Total Rewards & Global Mobility bei OMV, die erfolgreiche Modelle und praktische Herausforderungen internationaler Beteiligungsprogramme vorstellten.
„Wenn wir in Europa mehr private Vermögensbildung, mehr Eigenkapital und mehr Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg wollen, sollten wir Mitarbeiterbeteiligung deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken“, so Beckermann zum Abschluss. „Eine funktionierende Kapitalmarktunion beginnt nicht nur bei institutionellen Investoren. Sie beginnt auch dort, wo Menschen erstmals erleben, was Eigentum an einem Unternehmen bedeutet.“
Über den IVA:
Der Interessenverband für Anleger vertritt die Interessen privater Anlegerinnen und Anleger und setzt sich für Transparenz, gute Corporate Governance, starke Aktionärsrechte sowie einen attraktiven und vertrauenswürdigen österreichischen Kapitalmarkt ein.
Über ÖVFA:
Die ÖVFA („Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management“, www.ovfa.at) ist die Berufsvereinigung für Finanzanalysten und Asset Manager in Österreich und Plattform der österreichischen Investment Community, mit mehr als 300 Mitgliedern. Zielsetzung der ÖVFA ist es, Interessen ihrer Mitglieder gegenüber öffentlichen Institutionen und Behörden sowie im Rahmen wirtschafts- und finanzpolitischer Initiativen, etc. zu vertreten. Die ÖVFA bietet darüber hinaus Analysten, Fondsmanagern und sonstigen Anlegern internationale Ausbildungsprogramme (CEFA®, CIIA®) an und stellt einen Erfahrungs- wie Informationsaustausch zwischen börsennotierten Unternehmen und Investoren sicher.




