Zukunftsdepot & Staatsfonds: Der Kapitalmarkt wird Teil der Lösung
Bundeskanzler Christian Stocker hat Ende August gleich zwei bemerkenswerte Ideen in die Diskussion gebracht: Einerseits einen kapitalgedeckten Zukunftsfonds für die langfristige, zusätzliche Absicherung der Pensionen und andererseits ein steuer-, spesen- und gebührenbegünstigtes „Zukunftsdepot“ für junge Menschen bzw. deren Eltern. Der IVA begrüßt diesen Gesinnungswandel ausdrücklich. Österreich hat lange das Sparbuch gefördert und das Investieren steuerlich bestraft. Nun wird der Kapitalmarkt erstmals prominent als Instrument für Vermögensbildung und Vorsorge verstanden.
Beim Zukunftsdepot sollten Einfachheit, niedrige Kosten und Produktneutralität gelten. Aber warum soll steuerlich vernünftiges langfristiges Investieren mit dem 18. Geburtstag enden? Der IVA fordert weiterhin eine generelle KESt-befreiende Behaltefrist für alle Privatanleger.
SAVE THE DATE: Konferenz zum Thema Mitarbeiterbeteiligung
Der IVA, die OEVFA und BETTERFINANCE veranstalten eine internationale Konferenz zum Thema „Mitarbeiterbeteiligung als Treiber für Finanzbildung und Kapitalmarktentwicklung in Europa“ am 13. Oktober 2026 nachmittags in Wien. Bitte vormerken. Einladung folgt demnächst.
IVA-Vergütungsstudie 2025: Gute Leistung darf (muss) gut bezahlt werden
Der IVA hat Ende August seine aktuelle Untersuchung der Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen von 37 Unternehmen des Wiener Prime Market präsentiert. Die durchschnittliche Vergütung je Vorstandsmitglied stieg 2025 um rund 6 Prozent auf 1,6 Mio. Euro. Insgesamt wurden 245,3 Mio. Euro an Vorstände bezahlt. Der variable Anteil stieg auf 44,8 Prozent.
Unser Befund bleibt differenziert: Anleger haben kein Neidproblem, sondern ein Leistungsproblem. Millionenvergütungen können bei entsprechender Verantwortung und messbarem langfristigen Unternehmenserfolg gerechtfertigt sein. Je höher die Vergütung, desto nachvollziehbarer muss aber die Relation zwischen Leistung und Bezahlung sein. Genau hier bleibt die Transparenz vieler Vergütungssysteme allerdings eine Dauerbaustelle.
ADDIKO: RBI gewinnt – Nachfrist läuft
Der spektakuläre Übernahmekampf um die Addiko Bank ist in eine neue Phase getreten. Nach Ende der Annahmefrist wurden knapp 10,8 Mio. Aktien in das RBI-Angebot eingeliefert, damit wurde die Mindestannahmeschwelle überschritten. RBI hält damit zumindest rund 55,55 Prozent des gesamten Addiko-Grundkapitals, der Vollzug steht weiterhin unter regulatorischen und sonstigen Bedingungen. Die gesetzliche Nachfrist läuft bis 3. November 2026. Anleger können weiterhin zu 26,5 Euro ihre Aktien andienen.
Young Shareholders Austria stellt sich breiter auf
Auch innerhalb des IVA gibt es Verstärkung. Young Shareholders Austria erweitert sein Management und verteilt die Aufgaben künftig auf mehrere Verantwortungsbereiche. Stefan-Christian Kappel übernimmt Finanzbildung und Research, Cornelia Plott Medien und Kommunikation. Benjamin Linska unterstützt beide Bereiche. Netzwerke und Partnerschaften werden von Benjamin Frormann, Stefan-Christian Kappel und Sergiy Golovin betreut; Golovin übernimmt zusätzlich den internationalen Bereich.
Die Themen der jungen Anleger werden immer wichtiger: Altersvorsorge, Finanzbildung, Digitalisierung und langfristiger Vermögensaufbau sind längst keine Nischenthemen mehr.
Zum neuen YSA-Team
Squeeze-out: Conwert
Der deutsche Gutachter Prof. Matthias Meitner hat eine Ergänzung zu seinen bisherigen Feststellungen eingereicht. Er prüfte für das Handelsgericht Wien die Einwendungen von Parteien gegen die Schätzung des Beta-Faktors. Nach umfangreichen Kontrollrechnungen hält Meitner sämtliche wesentlichen Einwendungen für nicht ausreichend, um seine ursprüngliche Einschätzung zu ändern: Es bleibt bei einem unverschuldeten Beta von 0,35 und einer vertretbaren Bandbreite von 0,30 bis 0,41, auch wenn zusätzliche Tests darauf hindeuten, dass das Eigenbeta eher am unteren Rand des plausiblen Bereichs liegt. Der zentrale verbleibende Streitpunkt ist die Behandlung von Ausfallrisiken im Debt Beta; Meitner räumt hier methodische Unsicherheiten ein und zeigt Sensitivitäten mit Aktienwerten von 17,23 bis 33,18 Euro, betont aber, dass dies keine alternativen Unternehmensbewertungen sind und daraus keine Änderung seines bisherigen Ergebnisses von 17,89 Euro je Aktie folgt.
Squeeze-out: BUWOG
Das Handelsgericht Wien hatte in der Vergangenheit die angemessene Barabfindung von 29,05 Euro auf 36,30 Euro je Aktie erhöht und Vonovia zu einer Nachzahlung von 7,25 Euro plus Zinsen verpflichtet; dagegen liegen zahlreiche Rekurse vor. Das Oberlandesgericht Wien entschied unlängst über Verfahrensfragen dazu. Im Detail weist das OLG einzelne Rekursbeantwortungen wegen Verspätung bzw. unzulässiger nachträglicher Ergänzung zurück und schickt den Akt im Übrigen an das Handelsgericht zurück, weil mehrere, von deutschen Rechtsanwälten in Papierform eingebrachte Schriftsätze wegen der Pflicht zur Nutzung des elektronischen Rechtsverkehrs zunächst verbessert werden müssen. Für die ehemaligen Aktionäre bedeutet der Beschluss daher vor allem eine weitere Verfahrensverzögerung. Die zentrale Frage, ob die Nachzahlung von 7,25 Euro je Aktie Bestand hat oder noch verändert wird, bleibt damit vorerst noch immer offen.
FLUGHAFEN WIEN Privataktionärstag
Der Vorstand und das Kapitalmarktteam der Flughafen Wien AG laden Anleger herzlich zum diesjährigen Privataktionärstag ein. Die Veranstaltung findet am 7. Oktober 2026 ab 10:00 Uhr im Office Park 4 der AirportCity am Flughafen Wien statt. Anleger erhalten aus erster Hand Einblicke in die aktuelle Geschäftsentwicklung und die strategischen Schwerpunkte des Unternehmens. Im Rahmen einer Präsentation informiert der Vorstand über aktuelle Themen und steht für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.
Im Anschluss erwartet Besucher ein exklusiver Blick hinter die Kulissen des Flughafenbetriebes: Die vielfältigen Aufgaben der Flughafenfeuerwehr, einer der modernsten Feuerwachen Österreichs, werden erkundet. Darüber hinaus finden Einblicke in den Winterdienst und die sichere Betriebsführung statt.
Anmeldung bis spätestens 30. September. Details unter https://viennaairport.com/privataktionaerstag
Die nächsten Hauptversammlungen
Nach der sommerlichen Pause beginnt die Herbstsaison. Bereits am 9. September findet die Hauptversammlung von Kapsch TrafficCom statt. Es folgen unter anderem Gurktaler am 17. September und Zumtobel am 25. September. Der IVA wird die Interessen der privaten Aktionäre wie gewohnt vertreten.
