Der Bürger soll Energie sparen, Wasser sparen, fürs Alter sparen, für Krisen vorsorgen und am besten noch Verständnis dafür aufbringen, dass trotz Rekordsteuern angeblich „kein Geld da“ ist. Dabei ist Sparen nichts Ideologisches, sondern schlichte Vernunft. Wer spart, schafft Sicherheit.
Sparen ist die praktische Kunst, sich gegen die Willkür des Lebens zu wappnen: Die legendäre kaputte Waschmaschine, der Jobverlust, die Inflation, die Krise – all das verliert seinen Schrecken, wenn man nicht jeden Monat finanziell am Abgrund balanciert. So hält der österreichische Bürger einen Betrag von weit über 30.000 € im Schnitt in Reserve – eine solide Summe, Tendenz steigend!
Sparer besitzen damit etwas Gefährliches: die Möglichkeit, Nein zu sagen. Nein zum teuren Kredit. Nein zur Existenzangst. Nein zur Abhängigkeit vom Staat. Der Sparer kauft keinen Luxus, sondern Würde. Der finanziell Unabhängige wird damit politisch anspruchsvoll. Vielleicht wird Sparen deshalb von manchen Funktionären misstrauisch betrachtet. Wer Reserven hat, denkt langfristig. Länger als der politische Horizont mancher.
Die freiwillige Ausgabenreduktion der Österreicher spiegelt somit die Budgetlage des Staates konträr wider. Die Bürger tun das, was der Staat tun müsste. Die Magie liegt im Ausgabenverzicht. Jede Sanierung fängt hier an. Das Ausgabenmanagement wird zur wichtigsten Aufgabe der Gesellschaft.
Erwartungshaltung: Für Milliarden an Bürokratiekosten und Subventionen ist längst das Verständnis verschwunden – insbesondere dann, wenn gar ins Pensionssystem gegriffen wird. Österreich spart mehr und erwartet das auch vom eigenen Staat. Der Wunsch nicht finanziell erpressbar zu sein, der Wunsch nach Krisenresistenz, der Wunsch nach Kontrolle schwingt mit. Klientelpolitik und Unmengen an Förderungen passen nicht in ein kollektives Sparbedürfnis.
Die Rückbesinnung auf die stärkenden Effekte des Sparens ist eine politische Notwendigkeit, die sich nicht im Kleinklein verlieren darf. Jeder gute Manager besitzt die Fähigkeit, in kurzer Zeit Einsparungen in Höhe von 10 bis 15 % vorzuschlagen und umzusetzen – oft ist es ein Wochenende. Natürlich muss ein Staat auf Ausgewogenheit seiner Sparentscheidungen achten. Man kann sicher sein, dass dies nie zur Freude aller gelingen wird. Doch für die Vorbereitungen gab es jahrelang Zeit. Jetzt bedarf es einer echten Sparpolitik, eines echten Kostenmanagements, einer echten Wiederherstellung der fiskalischen Sparsouveränität und der Einigkeit, dies umsetzen. Die Konfetti-Geld-Politik erntete kurzen Applaus – Sparpolitik erntet das Gegenteil. Kein Terrain für Applaus-Junkies. Ein Terrain für echte Verantwortung. Zukunft: Man mag davon träumen, was möglich wäre, wenn aus Sparen ein Anlegen wird. Wenn zum Ausgabenverzicht noch eine Strategie hinzutritt. Dann wird aus Sparen eine nationale Stärke (siehe Norwegen).
Im Börsen-Kurier Nr. 21 am 22. Mai 2026 veröffentlicht von:
Florian Beckermann
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