Addiko: EZB tatenlos – wer zahlt?

Jedem Aktionär der Addiko Bank AG fällt es schwer, wieder auf die Dividendenzahlung zu verzichten. Insbesondere dann, wenn die Konkurrenz kräftig verdient und ausschüttet. Die „Bedenken“ des Regulators münden zum zweiten Mal in einer Dividendenblockade. Dabei gibt es keinen formaljuristischen Bescheid oder Erlass. Nein, der Regulator agiert durch den Druck der operativen Macht. Eine Macht, die in sachfremden Überwachungsfragen so intensiv gelebt werden kann, dass sie zu größerem „Schaden“ am Kreditinstitut führt – eigentlich eine untragbare Tatsachenschaffung des Regulators. Wobei der Regulator sich in diesem Fall aus einer Gruppe aus verschiedenen Überwachungsorganen zusammensetzt, die von der EZB geleitet wird. Es ist also nicht direkt auszumachen, wer hinter dieser Posse steckt.

Als vor knapp zwei Jahren die serbische Alta Gruppe bei der Bank einstieg, sorgte sie schnell für hochgezogene Augenbrauen. Rasant sicherte man sich große Anteilspakete, die juristischen Hausaufgaben wurden vergessen. Berechtigte Skepsis über Alta machte sich am Markt breit und hielt an. Der Regulator sah sich nicht in der Lage, konkret vorzugehen, also sperrte man die Dividende durch genannten Druck – bis heute. In den vergangenen zwei Jahren entstand eine juristische Hängepartie, deren Zeche alle (!) Aktionäre zu zahlen haben. Ist das nicht genug Zeit eine regulatorische Entscheidung zu treffen oder eine Lösung zu suchen, die nicht jeden Aktionär benachteiligt? Erfolgreiche Beispiele dafür gab es in der jüngsten Vergangenheit.

Konsequenz: Die Gewinne der Addiko landen in der Bilanz und führen zur Überkapitalisierung. Die Eigenkapitalrentabilität rauscht in den Keller aufgrund des zu hohen Nenners. Aktionäre werfen das Handtuch. Der Handel in Frankfurt wird aufgegeben. Der Börsenhandel in Wien landet im Auktionsmarkt. Eine Marktenge entsteht, die kaum noch als solide Ausgangsbasis für eine Stand-Alone-Bewertung herhalten kann. In dieser Situation kommen die Übernahmeangebote der RBI und NLB. Es wäre naiv zu glauben, dass diese die Auswirkungen der Blockade nicht nutzen würden. Oder sollte es besser heißen „ausnutzen“?

Als „absurd“ beschreiben Aktionäre am Rande der Hauptversammlung das Verhalten des Regulators: „Als Addiko-Aktionär ist die Alta Gruppe nicht gut genug, aber im RBI-Carve-out-Plan kann man ihnen eine ganze Bank verkaufen? Wie passt das zusammen?“ Eine Entscheidung des Regulators wird nur auf eine andere Ebene geschoben. Ob sie dann erfolgt, ist fraglich. Auch Alta braucht regulatorische Klarheit.

Die offensichtliche Entscheidungsschwäche der EZB wirft kein gutes Licht auf den Rechtsstaat EU und seine Bürokratiemacht. Die sonst so makellose Kompetenz bekommt Risse durch Taktieren. Für den außenstehenden Aktionär unverständlich, teuer und unnötig.

Im Börsen-Kurier Nr. 17 am 24. April 2026 veröffentlicht von:

Florian Beckermann

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