Der österreichische Aktiensparer ist aktuell mit einer enormen Teuerung konfrontiert, die durch gestiegene Energiepreise – insbesondere beim Öl und Gas – geprägt ist. Strompreise werden folgen. Das ahnt jeder. Diese Entwicklung wirkt auf die Inflation und Aktienmärkte aus. Ein Ausflug in die Grundannahmen der Volkswirtschaft.
Steigende Ölpreise erhöhen zunächst die Produktions- und Transportkosten in nahezu allen Wirtschaftssektoren. Unternehmen geben diese Kosten teilweise an Konsumenten weiter, was die allgemeine Preissteigerung antreibt. Durch breitgefächerte Indexierung kommt in Österreich die Beschleunigung der Lohn-Preisspirale hinzu, ein mitunter nachteiliger Standortsondereffekt. Im Euroraum lag die Inflation in den vergangenen Jahren deutlich über dem EZB-Zielwert, wobei Energie ein wesentlicher Treiber war. Durch die Krise im Iran tritt dieses Gesamtszenario wieder ein.
Für Aktienanleger ergeben sich daraus mehrere Effekte. Einerseits profitieren Energieunternehmen von hohen Ölpreisen, was sich in überdurchschnittlichen Kursentwicklungen dieser Branche niederschlagen kann – wenn ihnen nicht regulatorische Ketten angelegt werden und Abschöpfung droht. Andererseits geraten energieintensive Industrien – etwa Chemie, Transport oder Teile der Produktion – unter Druck, da ihre Margen sinken. Dies führt häufig zu schwächerer Kursentwicklung.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Geldpolitik. Um die Inflation zu bekämpfen hat die EZB nur ein bekanntes Mittel: Zinserhöhung. Höhere Zinsen wirken sich in der Regel negativ auf Aktienbewertungen aus, da zukünftige Gewinne stärker abgezinst werden. Gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation der EU kann das Anziehen der Zinsschraube toxisch für die zarte Entwicklung in Zentraleuropa wirken. Oft agieren Zentralbanken zu spät und zu schwach.
Gleichzeitig bieten steigende Zinsen Anlegern wieder Alternativen zu Aktien, etwa in Sparprodukten. Dies kann Kapital aus den Aktienmärkten abziehen und zusätzlich Druck auf die Kurse ausüben. Ein alter Hut.
Historisch betrachtet zeigen Aktienmärkte jedoch eine gewisse Anpassungsfähigkeit an inflationäre Phasen. Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht können steigende Kosten besser weitergeben und ihre Gewinne stabilisieren. Ebenso gelten Sachwerte – darunter Aktien – langfristig als ein gewisser Schutz gegen Inflation, auch wenn kurzfristige Schwankungen erheblich sein können.
Für den Aktiensparer bedeutet dies, dass eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Die Entwicklung einzelner Branchen kann stark auseinandergehen. Während Energie- und Rohstofftitel profitieren können, stehen andere Sektoren vor Herausforderungen. Eine breite Diversifikation sowie ein langfristiger Anlagehorizont bleiben daher zentrale Strategien, um mit den Auswirkungen von Inflation und Energiepreisschwankungen umzugehen.
Im Börsen-Kurier Nr. 13-14 am 27. März 2026 veröffentlicht von:
Florian Beckermann
1130 Wien, Feldmühlgasse 22
Tel. +43-1-8763343-0
Fax. +43-1-8763343-49
florian.beckermann@iva.or.at
