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Immofinanz mit 2,6 Milliarden Verlust | |
Die Aktie legt trotzdem stark zu. Petrikovits-Nachfolger Thomas Kleibl hatte rasch Verhandlungen mit den Banken über eine Weiter-Finanzierung des Unternehmens aufgenommen.
Auch das ist die Börse: Eine börsenotierte Aktiengesellschaft meldet mit 2,6 Mrd. Euro den bei Weitem höchsten Halbjahresverlust in der Geschichte des hiesigen Aktienmarktes. Worauf viele Anleger spontan Kaufaufträge platzieren und den Kurs der Aktie im Tagesverlauf um bis zu 20 Prozent hochtreiben.
Die Lösung des scheinbaren Paradoxons: Das Unternehmen heißt Immofinanz, der Kurs der Aktie hat heuer schon mehr als 95 Prozent verloren. Und die Anleger haben bisher eher mit einem Konkurs gerechnet, der jetzt, nach Zwischenfinanzierungszusagen von Banken, abgewendet scheint. Da war einfach schon alles eingepreist.
Und die Anleger gehen offenbar davon aus, dass das neue Management unter Vorstandschef Thomas Kleibl die Gelegenheit beim Schopf gepackt und alle finanziellen „Grauslichkeiten“, die in den Tiefen des Unternehmens aufzutreiben waren, in das Zahlenwerk gemixt hat. Sodass es – vorausgesetzt, das Unternehmen überlebt – nur noch aufwärts gehen kann.
Wegen der hohen Verluste musste der sogenannte innere Wert der Aktie (Net Asset Value) um mehr als 37 Prozent auf 7,07 Euro zurückgenommen werden. Er ist damit aber immer noch rund 15-mal so hoch wie der aktuelle Börsenkurs.
Zum abenteuerlichen Halbjahresverlust (1. April bis 30. September 2008) trugen vor allem Abwertungen des (in den vorangegangenen Jahren offenbar viel zu stark aufgewerteten) Immobilienvermögens in Osteuropa bei. Auf diesen Posten entfielen 1,1 Mrd. Euro Minus. Weiters zu Buche schlugen sich Abschreibungen auf Entwicklungsprojekte (600 Mio. Euro) und ein mit 740 Mio. Euro negatives Finanzergebnis. Ein größerer Teil der Ostverluste entfiel auf die Tochter Immoeast, die mehrheitlich der Immofinanz gehört und deshalb auch in der Immofinanz entsprechend durchschlägt. Die Immoeast hatte ihre Halbjahresbilanz vor Kurzem gelegt – und dabei 1,86 Mrd. Euro Vorsteuerverlust ausgewiesen.
Wie berichtet, war der frühere Immofinanz-Vorstandschef Karl Petrikovits im Oktober, als die Lage der Gruppe aussichtslos zu werden begann, zurückgetreten. Petrikovits-Nachfolger Thomas Kleibl hatte rasch Verhandlungen mit den Banken über eine Weiterfinanzierung des Unternehmens aufgenommen. Bedingung der Geldgeber war ein massiv geändertes Geschäftsmodell, dessen Kern die Umstellung von der Außenfinanzierung (etwa durch Kapitalerhöhungen und Kredite) auf die Innenfinanzierung ist, wie Kleibl am Montag zur APA sagte. Auf Basis dieses Modells hätten die Banken Finanzierungszusagen gegeben, die es dem Unternehmen erlauben, die kurzfristigen Verbindlichkeiten von fast einer Mrd. Euro zu bedienen. Gleichzeitig mussten 54 Entwicklungsprojekte eingestellt und 34 verschoben werden.
Der im neuen Geschäftsmodell wichtig gewordene Cashflow ist im Halbjahr um 11,3 Prozent auf 95,7 Mio. Euro gestiegen. 160 Mio. Euro wurden aus Immobilienverkäufen erlöst.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2008)
| | | Autor: Die Presse Datum: 30.12.2008 | | |
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