Immoeast-Chef Eduard Zehetner macht Tabula rasa

Noch vor den für Donnerstag erwarteten Halbjahreszahlen kündigt das Immoeast-Management vorab Abschreibungen und Abwertungen von einer Milliarde € an.

Immoeast-Neochef Eduard Zehetner geht in die Offensive und nimmt noch größere Wertberichtigungen vor, als von Analysten erwartet: Wie Zehetner in einer Vorab-Meldung ankündigt, wird es bei den am Donnerstag präsentierten Immoeast-Halbjahreszahlen (des schrägen, mit April begonnenen Geschäftsjahres 2008/09) Abwertungen und Abschreibungen von 1,02 Milliarden € geben. Das Neubewertungergebnis des Immobilienvermögens wird 465 Millionen € betragen. Darin spiegle sich die negative Preisentwicklung auf den Immobilienmärkten wider, die von einem sehr reduzierten Transaktionsvolumen geprägt sei, heißt es in der Ad-hoc-Meldung. Weiters werden Abschreibungen auf Immobilienvorräte und auf in Bau befindliche Objekte einen negativen Ergebnisbeitrag von 350 Millionen € liefern, davon solche auf Forderungen und Firmenwerte von minus 210 Millionen €. Das Finanzergebnis des zweiten Quartals werde minus 510 Millionen € ausmachen. Die Abschreibungen werden im Rahmen der Vollkonsolidierung auch auf das Ergebnis der Mutter Immofinanz durchschlagen, warnt Zehetner.

Analysten sehen diesen radikalen Schritt positiv, aber mit Vorbehalt: "Die massiven Abwertungen sind sinnvoll, wenn jetzt damit klare Verhältnisse geschaffen werden und es keine weiteren Negativ-Überraschungen gibt. Bei einem sich weiter verschlechternden Marktumfeld werden zwar weitere Anpassungen im Portfolio notwendig sein, diese sollten aber geringer ausfallen", sagt Gernot Jany, Analyst der Erste Group.

Laut Alexander Hodosi, Analyst der UniCredit, hat Zehetner aus Vorsicht so stark abgewertet: "Das ist gut so, damit dürften die größten Brocken vom Tisch sein." Hodosi vermutet, dass jetzt unter anderem "vorsichtshalber" auch der umstrittene, verschwundene Bond abgeschrieben wurde, rund um den sich Constantia Packaging BV und die Immoeast einen Rechtsstreit liefern.

Baustopp in Moskau

Weiters nimmt Hodosi an, dass auch bei den Entwicklungsprojekten "aufgeräumt" wurde und große Vorhaben wie etwa ein im Endausbau mit einer Milliarde € konzipiertes Moskauer Shoppingcenter gestoppt wurden.

Hodosis Fazit: "Das Insolvenz-Szenario wird immer unwahrscheinlicher. Ich sehe die Entwicklung der Immoeast und auch deren Aktienkurs, der sich seit dem Tiefstand von 21 Cent mehr als verdoppelt hat, durchaus positiv." Die UniCredit hat Immoeast auf Buy gestuft. Hodosi: "Für Anleger, die sich des Risikos bewusst sind, bietet sich hier eine interessante Chance."

Zehetner, der früher als Finanzchef des Feuerfestherstellers RHI gemeinsam mit RHI-Chef Draxler Sanierungsgeschick bewies, wird auch von Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbands für Anleger, gelobt. Rasinger: "Das Management hat das einzig Richtige getan, es gibt keine Alternativen, als jetzt klare Verhältnisse zu schaffen." Wesentlich sei für die weitere Entwicklung, dass die Mieterlöse steigen: "Alles weitere kann man jetzt nur abwarten", sagt Rasinger.

Insider erwarten, dass am Donnerstag nicht nur die Ergebnisse im Detail präsentiert werden, sondern auch erste Erfolge der Bankengespräche. Ein Analyst dazu: "Wenn die Finanzierung für die kommenden zwölf Monate gesichert ist, wäre das schon zufriedenstellend."

 

Wirtschaftsblatt, 16.12.2008

 
Autor: Wirtschaftsblatt
Datum: 16.12.2008
 
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