Ex-Privatbanker und Immofinanz-Chef Karl Petrikovics hat Trickserei mit angeblichen Investoren zugegeben. Tatsächlich hat die Constantia Privatbank mehr Aktien gehalten.
Im 512-Millionen-€-Krimi um die Immobilien-Gruppe Immofinanz und Immoeast geht es jetzt ans Eingemachte. Nach den Hausdurchsuchungen, bei denen zum Teil die emotionale Erregung den kritischen Punkt erreicht haben soll, hat der Staatsanwalt einen weiteren Gutachter bestellt. Dieser wird die Auswertung der beschlagnahmten EDV-Daten vornehmen.
Wie berichtet, ist Ex-Immofinanz und Ex-Constantia Privatbank-Chef Karl Petrikovics Mitte November den Behörden zwei Tage Rede und Antwort gestanden - auf eigenen Wunsch. Laut Insidern soll der Ex-Banker damit dem Risiko, möglicherweise in Untersuchungshaft genommen zu werden, entgegengewirkt haben. Denn neben dem Verdacht der Bilanzfälschung dreht sich der Strafakt 611 St 25/08x auch um den Verdacht des Betruges und der Untreue.
Erstes Geständnis
Dem Vernehmen nach hat der Ex-Banker „die kurzfristige Überschreitung der Großveranlagungsgrenzen bei der Einvernahme eingestanden und damit die Verletzung des Bankwesengesetzes im Sinne der Anzeige der Finanzmarktaufsicht" zugegeben. Demnach sollen „Investoren" in Sachen Immofinanz/Immoeast nur vorgeschoben worden sein, tatsächlich habe die Constantia Privatbank AG (CPAG) höhere Anteile gehalten als bisher angegeben.
Unrichtige Bilanz
Die FMA hat Mitte September 2008 bei der Staatsanwaltschaft Wien anhand eines OeNB-Prüfberichts angezeigt, „dass die CPAG das Provisionsergebnis und das Jahresergebnis aufgrund der nicht periodengerechten ertragswirksamen Erfassung laufend geglättet hat, wobei die Jahresabschlüsse 2006 und 2007 keine getreue Abbildung des Vermögens und der Ertragslage wiedergeben". Im Klartext heißt der Verdacht: Bilanzfälschung.
Gutachter Gerald Altenberger wurde vom Staatsanwalt beauftragt, dem Verdacht des Betruges an den Anlegern bei der Kapitalerhöhung der Immoeast und Immofinanz (2006-2007) und dem Verdacht der Untreue zum Nachteil der Immoeast und Immofinanz nachzugehen. Altenberger soll dabei aufzeigen, ob irreführende Ad-hoc-Meldungen gemacht wurden, ob „Risikofaktoren", „der Kauf eigener Aktien mit Hilfe des Emissionserlöses in enormem Umfang und die Finanzierung im eigenen Konzern unter Verwendung erheblicher Teile der Emissionserlöses verschwiegen wurden".
Zugleich soll er der mutmaßlichen „Ablöse der Managementverträge zwischen der CPAG und Immoeast-Immofinanz zur Halbzeit der Laufzeit gegen eine Zahlung von mindestens 365 Millionen €" auf den Grund gehen. Petricovics¥ Strafverteidiger Wolfgang Brandstetter betont, dass sein Mandant weiter mit den Behörden kooperiere.
Wirtschaftsblatt, 1.12.2008 |