Vorangegangen waren der Razzia Einvernahmen der einstigen Verantwortlichen durch die Staatsanwaltschaft. Gegenstand der Ermittlungen: Verdacht auf Betrug und Untreue. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Aktionen umfassten auch Räumlichkeiten des früheren Immofinanz-Chefs Karl Petrikovics und des früheren Immofinanz-Finanzvorstands Christian Thornton, bestätigte die Gruppe am Dienstag.
Verdacht auf Bilanzfälschung
"Ich kann bestätigen, dass es Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit der Constantia Privatbank/Immofinanz gibt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch. Über den Umfang der Aktionen wollte er nichts sagen. Im Zentrum stehe der Verdacht auf Bilanzfälschung bei der Constantia Bank.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem in Sachen Constantia wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation.
Schon zuvor Einvernahmen
Als die Beamten am Dienstag Immofinanz/Immoeast und Constantia Bank aufsuchten, um Beweismittel zu sammeln, hatten sie klare Vorgaben, hieß es von informierter Seite am Dienstag zur APA. Der staatsanwaltlichen Aktion waren Einvernahmen von Beschuldigten vorangegangen.
Die Justiz bedient sich bei ihren Untersuchungen auch der Experten der Aufsichtsbehörden. Die Beteiligten der Wirtschaftspolizei waren wie immer in zivil unterwegs.
Nach Informationsaufnahmen in verschiedenen Räumen der Constantia Bank zogen sie sich mittlerweile in ein abgelegenes Besprechungszimmer zurück, in dem sie die angeforderten Unterlagen und Kontodateien in Zusammenhang mit dem Immofinanz-Komplex durchforsten.
"Vergangenheitsbewältigung"
In den neuen Führungsetagen der Immofinanz und der Constantia betonte man unisono, dass es sich bei der Hausdurchsuchung um "Vergangenheitsbewältigung" handle, die man voll unterstütze. Alle seien an umfassender Klärung interessiert, "nur so können die Unklarheiten der Unternehmensvergangenheit aufgearbeitet werden", sagte der neue Immofinanz-Chef Thomas Kleibl.
Seine erst kurze Zeit als Sanierer an der Immofinanz-Spitze hatte der frühere AUA-Finanzvorstand Anfang November ernüchternd geschildert: "Diese drei Wochen haben sich angefühlt wie hundert Tage. Was habe ich dort vorgefunden? 550 bis 560 Firmen, also eine unglaublich komplexe Struktur. Außerdem eine extrem schwierig aufzulösende Berichtsstruktur und eine sehr angespannte Liquiditätssituation, die aber beherrschbar scheint."
Rettung für Constantia
Die Constantia Bank musste vor wenigen Wochen von fünf Großbanken und der Notenbank - und einer Staatsgarantie für eine Kreditlinie - aufgefangen werden. Der seit Anfang November amtierende neue Bankvorstand Andreas Grünbichler sagte, dass er die aktuellen Untersuchungen "umfassend unterstützt". Auch er hofft, dass mit diesen Untersuchungen die offenen Fragen rasch geklärt werden.
Ominöse Anleihe
Hintergrund der Bilanzfälschungsvorwürfe und damit der Durchsuchungsaktionen sind 520 Mio. Euro aus einer Kapitalerhöhung der Immoeast 2007, deren Verbleib ungeklärt ist. Demnach sollen ursprünglich rund 900 Mio. Euro an die angeblich unabhängige Immofinanz Beteiligungs AG (IBAG) überwiesen worden sein, die bisher etwa zur Hälfte rückgeführt worden seien. Eine für Ende Oktober angepeilte weitere Rate von 180 Mio. Euro sei ausgeblieben.
IBAG-Vertreter bestritten zunächst die Anleihe. Laut Spekulationen soll die Immoeast-Anleihe von den Konten der IBAG später auf andere Constantia-Privatbank-Konten überwiesen worden sein.
Die IBAG sei von den ermittelnden Behörden noch nicht mit Vorwürfen konfrontiert worden und auch von den Haussuchungen nicht betroffen gewesen, sagte IBAG-Vorstand Helmut Falschlehner.
Petrikovics im Zentrum der Vorwürfe
Als Zentralfigur um dubiose Geldflüsse innerhalb der Gruppe um Immofinanz/Immoeast/IBAG/Constantia Bank gilt der langjährige Manager Petrikovics, der lange Zeit sowohl die Constantia Bank als auch die beiden börsennotierten Immofirmen in Personalunion geleitet hatte. Bis zum heurigen Sommer hatte er in der Bankgasse seine Büros.
Das heutige Management sowohl der Immofinanz-Gruppe als auch der Constantia Privatbank neigt der Ansicht zu, dass Petrikovics die umstrittenen Überweisungen getätigt bzw. veranlasst hat. Petrikovics stellt das in Abrede. Der soeben abgelöste Finanzvorstand der Immofinanz, Thornton, soll wiederum für die IBAG-Konten zeichnungsberechtigt gewesen sein.
Streit über Haftung
Die Constantia Packaging BV, die niederländische Muttergesellschaft des gleichnamigen Industrieunternehmens Constantia Packaging, hat eine Haftungserklärung für die offene Summe abgegeben, deren rechtliche Verbindlichkeit sie allerdings abstreitet. Die neue Führung der Immofinanz-Gruppe hingegen erklärte, die Haftung an der Constantia BV in Anspruch nehmen zu wollen.
In den derzeitigen Ermittlungen ist deshalb u. a. zu klären, wer die Überweisungen der Immoeast an die IBAG veranlasst hat, von der dann die Gelder an drei weitere Constantia-Firmen weitergeflossen sein dürften. Auf diese Weise sollen Immoeast-Aktien um zehn Euro aufgekauft worden sein, die freilich bis heute weitgehend wertlos geworden wären.
orf.at

