Vorsicht bei hochverzinsten Unternehmensanleihen

Seit einiger Zeit hat die Zahl der Unternehmensanleihe sprunghaft zugenommen. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus überrascht diese Entwicklung nicht. Auch die Anleger greifen gierig auf diese Veranlagungen, die deutlich mehr als das Sparbuch bringen. Auch für die Unternehmen sind Zinssätze von 4 Prozent und weniger für Laufzeiten von fünf bis sieben Jahre attraktiv. Die Banken fördern die Entwicklung, weil sie bei Großkunden für Kredite in der Regel nur mehr sehr geringe Margen lukrieren können und darüber hinaus aus Risikogründen eine teilweise Unterlegung mit Eigenkapital gesetzlich verlangt wird. Die Provisionen und Spesen für die Platzierung von Anleihen wirkt sich erfreulich auf die Rendite der Geldinstitute aus. Somit wäre allen gedient.
Aber Vorsicht: mit einer Anleihe geht auch das Risiko auf den Anleger über. Die Zeiten, dass Spareinlagen unbegrenzt sicher sind, ist bereits vorbei. Aber es ist ein großer Unterschied, ob eine österreichische (keine argentinische) Bundes-Anleihe gezeichnet wird oder von einem Unternehmen mit geringem Eigenkapital und vorsehbaren Ertragsschwächen. Im Leben erhält man nichts geschenkt, schon gar nicht in der Welt der Finanzen. Ein höherer Kupon ist fast immer eine Prämie für eine höheres Risiko. Davon können die leidgeprüften Kunden von Parmalat-Anleihen ein schmerzhaftes Lied singen. Insbesondere ist drauf zu achten, was mit dem Anleihegeld beabsichtigt wird: Finanzierung der Expansion oder Reduktion der Bankverbindlichkeiten. Daher ist unbedingt anzuraten, den gesetzlich vorgesehenen Kapitalmarktprospekt zu studieren, welche Risikofaktoren und -hinweise dargestellt und welche Schlussfolgerungen aus der Bilanzstruktur und der Ertragslage für die Rückzahlung gezogen werden können. Die Rückzahlung des Kapitals ist der Knackpunkt, denn die Zinsen der ersten Jahre werden meistens bezahlt, aber die Rückzahlung des aufgenommenen Geldes stellt immer wieder ein unüberwindliches Problem dar. Leider mehren sich auch die Fälle, dass Anleger ihr Kapital teilweise oder zur Gänze verloren haben. Auch in Österreich gibt es bereits einige wenig bekannte Beispiele.
Daher einige einfache Hinweise:
  • Kaufen Sie nur Anleihen von Unternehmen mit einer Eigenkapitalausstattung von über 30 Prozent.
  • Achten Sie darauf, ob der Cash Flow ausreicht, um am Ende der Laufzeit die Anleiheschuld zu tilgen. Der IVA kann Ihnen dazu Hinweise geben.
  • Wenn der Großteil des Geldes zur Abdeckung von Bankschulden verwendet wird, ist höchste Vorsicht geboten.
  • Ein international anerkanntes Rating (eine Beurteilung der Bonität) ist ein wichtige Hilfe, aber keine absolute Sicherheit
Die angekündigten Emissionen der Novomatic, der Asfinag, der ÖBB sind aus Gründen der Sicherheit eher unbedenklich.
Wenn Sie die Anleihen von A-TEC oder demnächst von Eybl zeichnen, berücksichtigen Sie, dass sie als Geldgeber ohne Einflussmöglichkeiten und Erfolgsbeteiligung ein signifikantes unternehmerisches Risiko mittragen.
Datum: 06.10.2005 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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