Die außerordentlichen Hauptversammlungen von Meinl International Power vom Montag haben ein langwieriges Nachspiel. Aktionärsvertreter Alexander Proschofsky will die Niederlage vom Montag nicht auf sich sitzen lassen und zumindest eine der Hauptversammlungen demnächst anfechten. „Gründe gibt es genug", sagt der rebellische Investor.
Dazu gehört etwa die Neuauszählung von zwei Punkten auf der Tagesordnung, bei denen das MIP-Management rund um Hans Haider zunächst eine Niederlage erlitten hatte. Wie berichtet war jener portugiesische Investor, der Haider die Mehrheit sichern sollte, bei der ersten Abstimmung nicht im Saal. Daraufhin wurde Michael Treichl aus dem MIP-Board gewählt und Rebellen-Kandidat Richard Boleat an seiner Stelle nominiert. Die Stimmkarten des Portugiesen wurden erst im Nachhinein bei der Neuauszählung berücksichtigt.
Ein weiterer Anfechtungsgrund ergibt sich laut Proschofsky, weil Chairman Hans Haider und Board-Director Heinrich Schwägler bei einer Abstimmung über die Vertagung der HV die ihnen zugeteilten Proxy-Stimmen verwendet haben. Und das, obwohl das Voting über eine Vertagung nie auf der Tagesordnung stand. Chairman Haider verteidigte sein Vorgehen. „Es ist im Interesse dieser Proxys, dass die Hauptversammlung nicht vertagt wird."
Weitere Gründe, um gegen Haider vorzugehen, ergeben sich laut Anlegerrebellen auch dadurch, dass viele kritische Fragen und kurzfristig auch das Mikrofon abgewürgt wurden. Fraglich ist, ob auch angebliche Zertifikate-Deals während der laufenden HV Munition gegen die Beschlüsse sind. Normalerweise sind Wertpapiere während einer HV nicht zum Handel berechtigt. Experten gehen davon aus, dass demnächst die Finanzmarktaufsicht auf Jersey die Vorgänge prüft.
Kein Job für Grasser
MIP-Boss Hans Haider kostet das alles nur ein müdes Lächeln. Er freut sich weiter über seinen Abstimmungserfolg in der ersten außerordentlichen HV von Montagvormittag und will seine Pläne durchziehen: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns gänzlich von der Meinl-Gruppe zu lösen." Karl-Heinz Grasser dürfte endgültig demontiert werden. Die Anleger kostet die Ablöse für den Vertrag bis zu 33 Millionen €.
Wirtschaftsblatt, 30.7.2008

