Dr. Michael Knap zur Hauptversammlung-NEU

Aus Anlass des 70-jährigen Bestehens unserer großen, deutschen Schwestergesellschaft DSW Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fand im Industrieclub Düsseldorf kürzlich ein Symposium statt. Themen der Panels waren u. a. „Corporate Governance: wo stehen wir in zehn Jahren“ oder die „Zukunft der Hauptversammlung & Rechte der Aktionäre“. Weil bekanntlich vieles aus Deutschland mit Zeitverzögerung nach Österreich herüber schwappt, hat der IVA die „Zukunft der Hauptversammlung“ mit besonderem Interesse verfolgt:

Unstrittige Grundlage der Diskussion war die Erkenntnis, dass der Dialog zwischen Aktionären und Management in der HV die Entscheidungsfindung nicht beeinflusst. Denn diese findet bereits im Vorfeld der HV statt und wird insbesondere getragen von diversen Stimmrechtsberatern (Proxy Advisors). Diese unterbreiten institutionellen Investoren Vorschläge für das Abstimmungsverhalten in der HV. Beim IVA macht diese Tendenz sich in Form steigender Stimmrechtsvertretungen (proxy voting) bemerkbar.

Weil also der Austausch mit den in der HV anwesenden Aktionären irrelevant für die Entscheidungsfindung ist, wird ein Neudenken gefordert, wie die Aktionärsteilhabe strukturiert werden soll! Da gibt es zwei Denkschulen:

1) Verlagerung der Entscheidungsfindung außerhalb der Präsenz-HV, zB durch neu zu schaffende „Umlaufbeschlüsse“! Vor diesem Hintergrund läuft gerade die „Know-your-shareholder“-Initiative der Europäischen Kommission, an deren Ende wohl das Verschwinden der Inhaberaktie stehen dürfte.

Weil andererseits das Management sich einmal im Jahr seinen Aktionären stellen soll,

2) Festhalten an der Präsenz-HV und deren Attraktivierung, zB durch Beschränkung des Missbrauchs des Rederechtes (=Untersagung belangloser Aktionärsbeiträge) oder Abschichtung der Beschlussvorlagen; ein interessanter Aspekt dazu wurde aus den Niederlanden, von der Airbus-HV, eingebracht: dort erläutert der Abschlussprüfer seine wesentlichen Prüfungsthemen (Key Audit Matters) und den Bestätigungsvermerk, anschließend können die Aktionäre sich mit Fragen direkt an den Abschlussprüfer wenden! Erfreuliches wurde aus Paris berichtet, nämlich, dass in der HV des Energieversorgungskonzerns Engie S. A. (ehemals „Suez“) der Champagner in Strömen fließt …

Der IVA, der eine „schlanke“ Präsenz-HV befürwortet, und auch HVs in Deutschland besucht, wird die weitere Diskussion in unserem Nachbarland beobachten und darüber berichten.

Datum: 06.12.2017 Autor: Dr. Michael Knap
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