Rasinger zum Wirtschaftsstandort Österreich

In einigen Monaten wird ein neuer Nationalrat gewählt. Nach drei Bundespräsidentenwahlen hält sich die Begeisterung der Bevölkerung in Grenzen. Die kleinlichen Streitereien und die aufdringliche Öffentlichkeitsarbeit der potentiellen Kandidaten nervt bereits jetzt. Zur Beruhigung, bei manchen aber auch zur Aufheizung der Gemüter, tragen Informationen über täglich neue Eskapaden von Donald Trump und die verworrene Situation in Großbritannien nach dem BREXIT bei. An die diversen Kriege hat man sich leider schon gewöhnt, Terroranschläge werden immer mehr wie bedauerliche Verkehrsunfälle zur Kenntnis genommen.

Alle politischen Parteien werden versuchen über die Themen Arbeitsplätze, Bildung, Sicherheit, Pensionen, Wirtschaftswachstum, Steuern, Immigration und Integration die Wähler anzusprechen. Mehr als allgemein gehaltene Überschriften und nette Absichtserklärungen können nicht erwartet werden. Nach mehr als acht Jahren Stagnation mit Werner Faymann treten neue Persönlichkeiten an, die vor allem rhetorisch brillieren werden. Es ist erstaunlich, dass es in einer bewegten Welt mit einer Vielzahl ungelöster Probleme trotzdem fast alle Österreicher ein hohes Wohlstandsniveau genießen können.

Jeder versucht seine Stellung und seinen Einfluss zu halten. Die Einstellung zu Reformen und Änderungen ist positiv, so lange man nicht selbst betroffen ist. Es ist bemerkenswert, dass die junge Generation sich mit der Gestaltung der Zukunft ziemlich wenig beschäftigt: der gegebene Wohlstand wird entweder als Selbstverständlichkeit hingenommen oder ausgeprägtes Karrieredenken lässt dafür keinen Spielraum.

Gerne äußern sich Politiker positiv zum Wirtschaftsstandort Österreich. Das freut die jeweiligen Zuhörer und Leser, aber es besteht keine Bereitschaft, vernünftige Maßnahmen umzusetzen.

  •        Statt die unerträglich hohen Lohnnebenkosten spürbar zu senken, werden zwei Milliarden Euro für einen Beschäftigungsbonus versprochen, der vor allem für Kleinbetriebe aufwändig zu administrieren ist und die Bürokratie ausweitet.
  •        Leichtsinnig bis fahrlässig wird die Auszeichnung „Weltkulturerbe“ aufgegeben, damit ein Investor ein Hochhaus an einem sensiblen Standort für Superreiche, vor allem aus dem Ausland, errichten kann. Und um sich selbst ein Denkmal zu setzen, eigentlich ist ein Mahnmal einer politischen Fehlentscheidung und Missachtung von demokratischen Grundsätzen.
  •        Statt über die Verbesserung der Qualität des Tourismus nachzudenken wird anlassbezogen mit Zwei-Drittel-Mehrheit als Staatsziel die Förderung des Wirtschaftsstandorts und - besonders unsinnig - Wirtschaftswachstum in die Verfassung aufgenommen. Die Herausforderung der Zukunft ist die Steuerung von Tourismusströmen, die an einigen Orten wie Venedig, Barcelona, Salzburg bereits an Grenzen stoßen. Übrigens: im Tourismus entstehen überwiegend Jobs für minderqualifiziertes und schlechtbezahltes Reinigungs- und Servierpersonal.
  •        Viele Österreicher glauben, auch weil es ihnen Politiker immer wieder vorsagen, dass sie und ihr Land reich sind; dazu werden diverse Statistiken herangezogen. Fakt ist aber, dass die Menschen auf dem Papier, etwa mittels Sparbüchern, über hohe Beträge verfügen, aber gemessen an Realwerten, wie beispielsweise Immobilien und vor allem Unternehmensbeteiligungen, im europäischen Vergleich weit unterdurchschnittlich beteiligt sind. Das Geschäft an der Wiener Börse machen zum überwiegenden Teil nicht Österreicher, sondern Ausländer. Diese haben österreichische Aktien nicht aus Nächstenliebe oder Sympathie für unseren Charme ausgewählt, sondern haben die Qualität der dahinter stehenden Unternehmen erkannt. Ein exemplarischer Fall ist das Aktionariat vom Flughafen Wien, ein, nach Turbulenzen und unerträglichen politischen Ränkespielen, gut gemanagtes Infrastrukturunternehmen, von dem zu fast 40 Prozent australische Pensionisten und Anleger profitieren.

 

Die Jugend ist einerseits stark frustriert über die gegenwärtigen Zustände und andrerseits desinteressiert an einer verlogenen Politik mit viel zu viel oberflächlichen Showelementen und Inszenierungen. Das wird den Standort noch sehr zu schaffen machen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der IVA fordert keine Förderungen, die zu einer Erhöhung der Bürokratie führen, sondern verbesserte Rahmenbedingungen, die vor allem dem Mittelstand zugutekommen sollen. Den umfassenden Forderungskatalog finden Sie hier auf unserer Website www.iva.or.at

Datum: 09.06.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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