Rasinger zu Ärger über RHI-Magnesita

Nach der Überraschung über den geplanten RHI-Deal und dem Studium der eher dünnen Informationen folgte die Empörung. Die Überlegung, dass RHI und die brasilianische Magnesita näher rücken bzw. fusionieren, ist eine naheliegende, strategische Variante. Die am 5.10.2016 präsentierten Eckpunkte dieses Deals sind aber problematisch und nicht im Interesse des Streubesitzes. Deutliches Signal: der Kurs brach ein und die Frau eines Aufsichtsrates verkaufte am 6.10 immerhin 10.000 RHI-Aktien noch um Euro 22,20. Das für 2020 erwartete Synergiepotential bei einer 46 Prozent-Übernahme von beachtlichen 76 Millionen brutto bzw. 36 Millionen netto nach Berücksichtigung von Kosten und Umsatzeinbußen ist nicht überzeugend bzw. zweifelhaft, da u.a. als Grund für den Deal die Stärkung gegenüber der chinesischen Konkurrenz angegeben wird. Die Bewertung der Magnesita, die seit 2014 mit starkem Rückgangen des Operating Cash Flows kämpft, ist in dieser Höhe bei den gegeben Zukunftsaussichten nicht nachvollziehbar. Es stellt sich die Frage, wer hat wann die Due Diligence durchgeführt? Sollte der Aufsichtsrat zeitnah auf Basis dieser Informationen seine Zustimmung geben, sollte er bereits auch Kontakt mit der D&O-Versicherung bezüglicher einer möglichen Haftung aufnehmen.

Unverständlich ist aus der Sicht des Streubesitzes der Rückzug von der Wiener Börse und die Börsenotiz in London sowie die Verlegung des Sitzes der Konzernspitze in die Niederlande. Die schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit mit ähnlichen Konstruktionen von HEAD, bwin und auch Meinl European Land (Atrium) lassen einiges befürchten. Der Streubesitz ist de facto dem Kernaktionär Schlaff ausgeliefert und durch wirtschaftliche Barrieren und einer komplexen juristischen Situation bzw. schlechteren Bedingungen des ausländischen Übernahmerechts extrem benachteiligt. Es ist kaum zu glauben, dass Aufsichtsräte wie die beiden profilierten Sozialdemokraten Alfred Gusenbauer und Wolfgang Ruttenstorfer sich für diese Transaktion einsetzen, die sehr nachteilig für den Wirtschaftsstandort Österreich ist. Besonders ärgerlich ist, dass Magnesita 20 Millionen Euro erhalten soll, falls diese Transaktion nicht zustande kommt.

Daher spricht sich der IVA bereits jetzt mit Vehemenz dagegen aus und empfiehlt, bei den notwendigen Beschlüssen in der geplanten Hauptversammlung dagegen zu stimmen. Da bei einer Verschmelzung über die Grenze auch ein Baroffert an den Streubesitz gelegt werden muss, wird dessen Höhe entscheidend sein dafür, mit welchen Anfechtungsklagen und Überprüfungsverfahren zu rechnen sein wird. Es ist zu hoffen, dass das „Bekenntnis zu ethisch verantwortungsvollem Handeln“ und zu „Integrität und Respekt“ (siehe dazu RHI-Corporate Governance Bericht 2015, Seite 21) keine Leerformel bleibt.

Datum: 13.10.2016 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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