Rasinger über Crowdfunding mit RAPID

Es wurde lang diskutiert. Seit einigen Wochen ist das Alternativfinanzierungsgesetz, die rechtliche Grundlage für Crowdfunding, in Kraft. Es wurde eine vernünftige Basis gefunden, die sowohl den Bedürfnissen der Wirtschaft als auch den Anliegen des Anlegerschutzes entgegenkommt.

Für KMU und Neugründungen wurde es zuletzt immer schwieriger, Risikokapital von den Banken zu erhalten. Die Banken wurden durch regulatorische Bestimmungen immer stärker eingeengt. Das Problem bei der Kapitalbeschaffung waren die Kosten.

Im Zentrum der Diskussion stand der Kapitalmarktprospekt, der viele Informationen beinhaltet, aber untauglich war, die Anleger zielgerichtet zu informieren. Er wurde zu einem Instrument der Haftungsbeschränkung pervertiert. Jetzt gibt es sinnvolle Erleichterungen bei Kapitalaufnahmen von unter fünf Millionen Euro. Der Anleger soll in solche Angebote pro Jahr maximal 5.000 Euro investieren können. Es wird sich in der Regel um Projekte mit einem erhöhten Risiko und hoffentlich auch mit überdurchschnittlichen Chancen handeln. Für die Altersvorsorge sind diese Veranlagungen jedenfalls ungeeignet.

Die verantwortlichen Manager des Fussballklubs Rapid haben erkannt, dass sich dieses Instrument ideal eignet, von der Begeisterung und Loyalität der Fans finanziell profitieren zu können. Nach dem Flop der legendären Rapid-Aktie eine wohldurchdachte PR-Aktion. Über die Plattform Conda kann in den nächsten Monaten das nachrangige Darlehen gezeichnet werden. Bis zu drei Millionen Euro sollen in die Kassa gespült werden. Es gibt Tranchen mit 5, 7 und 9 Jahren Laufzeit, die einen Jahreszins von 2, 2,5 und 3 Prozent bringen. Bei einem entsprechenden sportlichen Erfolg gibt es einen Bonus.

Ein Blick in den Jahresabschluss 2014/15 von Rapid zeigt einen Verlust von 1,1 Millionen Euro, der durch Gewinne aus Transfergeschäften kompensiert werden konnte, bei einem Personalaufwand von immerhin 12 Millionen. Der Umsatz liegt bei fast 23 Millionen Euro. Das Vereinskapital ist mit etwas über 1 Mio EUR negativ, aber die Bewertungsreserve auf Grund von Subventionen, insbesonders für den Stadionneubau, verschönert die Bilanz. Auf Basis dieser Zahlen darf ein scharf kalkulierender Investor das laufende Angebot von Rapid nicht annehmen, aber die emotionale Verbundenheit zum Verein rechtfertigt ein Engagement. Rapid hat als einer der Ersten das Alternativfinanzierungsgesetz geschickt genutzt. Eines ist auch sicher, nämlich dass sich sportliche Misserfolge beim Anleger finanziell auswirken werden. Die Frage ist, was schmerzt den Fan mehr - die Niederlagen seiner Mannschaft oder die finanziellen Auswirkungen auf sein Mini-Investment?

Datum: 25.12.2015 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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