Ausschüttungspolitik und Vergütungen 2014

Es gibt eine permanente Diskussion, wie die Wertschöpfung bzw die Ergebnisse der Unternehmen verteilt werden sollen. Auf der einen Seite fordern die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen einen entsprechenden Anteil ein, auf der anderen Seite will der Vorstand seine Leistung, seinen Einsatz und die Verantwortung ausreichend abgegolten sehen, der Aufsichtsrat will gemäß den gestiegenen Anforderungen entlohnt werden und die Aktionäre erwarten sich eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals und eine Abgeltung des Risikos. Für die Substanzstärkung, das heißt für die Dotierung von Rücklagen soll ebenfalls vorgesorgt werden.

Untersuchungsmethode

Die vorliegende Ausarbeitung untersucht 37 Unternehmen des Prime Markets. Es sind Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung, die in diversen Branchen tätig sind. Daher wird auf verzerrende Durchschnittsberechnungen verzichtet.

In den folgenden Tabellen werden die jeweiligen Ausschüttungsquoten (Dividende je Aktie/Ergebnis je Aktie in Prozent) sowie die Bezüge der Vorstände und Aufsichtsräte ergänzt um einige Kennzahlen dargestellt. Die unterschiedliche Gewichtung und Bedeutung zeigen sich, wenn der Ausschüttungsbetrag dem Konzernergebnis in absoluten Zahlen gegenübergestellt wird.

Ergebnisse

  • Die hohen Verluste der Erste Group Bank (–1.442 Mio €), RBI (–493 Mio €), Immofinanz (–357 Mio €), EVN (–299 Mio €), Telekom Austria (–245 Mio €) und Wienerberger (–202 Mio €) kamen überwiegend durch Firmenwertabschreibungen zustande.
  • 6 von 37 Unternehmen zählten für 2014 keine Dividende, 4 Unternehmen (EVN, Lenzing, Telekom, Wienerbeger) trotz eines Verlustes eine eher geringe Dividende.
  • Auffallend ist die hohe Ausschüttungsquote bei Unternehmen mit einem Kernaktionär der öffentlichen Hand: OMV, Post, Verbund. Insgesamt ging die Ausschüttungssumme von 2.334 Mio € um fast 15 % auf 2.002 Mio € zurück.
  • 2014 kam es zu großen Unterschieden bei den Rücklagen durch die oben angeführten hohen Verluste bei einzelnen Gesellschaften. Diese Ergebnisse betrafen vorwiegend die Aktionäre.
  • Personalaufwand je Aktie: Bei personalintensiven Unternehmen wie Do&Co, PORR, Rosenbauer und STRABAG beläuft sich die Kennziffer auf über 20 € pro Aktie. Bei Immobiliengesellschaften ist diese Kennzahl unbedeutend.
  • Die Aktionäre erhielten zirka 2 Mrd € als Dividende, das sind im Vergleich zum Personalaufwand etwas weniger als 10 %.
  • Vergütung Vorstand und Aufsichtsrat: Insgesamt hat haben sich die Kosten für den Vorstand kaum verändert. Unschärfen gibt es dadurch, dass es kein einheitliches Schema für einen Vergütungsbericht gibt und daher die Werte der einzelnen Unternehmen nicht exakt vergleichbar sind. Die Lohnnebenkosten wie Kommunalsteuer und Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds wurden bei den Vorstandsvergütungen nicht berücksichtigt. Die Kosten des Vorstands machen im Schnitt deutlich weniger als 1 % des Personalaufwands aus, Die Vergütungen für den Aufsichtsrat stiegen um zirka 4 % gegenüber dem Vorjahr und betragen nicht einmal 8 % der Vorstandsbezüge.

Schlussbemerkung

Insgesamt betrachtet kam es vorwiegend durch Abschreibung von Firmenwerten zu hohen Verlusten. Diese führten einerseits zu einer Reduktion der Dividendenausschüttungen und beeinträchtigten andererseits stark die Substanz. Auf den Personalaufwand und die Vergütungen an Vorstand und Aufsichtsrat wirkte sich dies aber insgesamt nur marginal aus.

Datum: 03.11.2015 Autor: IVA-Redaktion
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