Ex-Libro-Chef André Rettberg hat sich mit Händen und Füssen gegen die Haft gewehrt. Vergeblich, nicht einmal die Fußfessel wurde ihm genehmigt. Dabei steht das rechtskräftige Urteil aus dem großen Libro-Prozess noch aus. Sein Anwalt Sporn hat zwar eine umfangreiche Nichtigkeitsbeschwerde mit fast 200 Seiten gegen das Urteil der ersten Instanz wegen Untreue und Bilanzfälschung eingebracht, aber es ist offen, ob sich der Oberste Gerichtshof davon beeindrucken lässt. Wenn nicht, kommen bis zu dreieinhalb Jahre Haft dazu.
Das Leben ist ungerecht, denn Nutznießer der Libro-Pleite war Rettberg nicht. Seine Berater, „super-gescheite“ Investmentbanken, Rechtsanwälte, Unternehmensberater, PR-Agenturen und sonstige Einflüsterer bzw. falsche Freunde haben zwar fette Honorare kassiert, aber Null Verantwortung übernommen. Rettberg hatte sich in Sachen Buchpreis-Bindung sinnlos mit österreichischen und europäischen Institutionen angelegt (letztlich erfolglos) und wurde solcherart zum Super-Star hochgejubelt und -geschrieben. Dass diese Trabanten einen ehrgeizigen, ambitionierten Mann mit wenig formaler Bildung ausnutzten und dabei prächtig verdienten, ist zwar ethisch verwerflich, aber strafrechtlich irrelevant. Hauptnutzniesser waren prominente Investoren der ersten Stunden, aber auch die damaligen Aktionäre der UIAG. Die Rechnung bezahlten einerseits die Telekom, die sich zu einem zu hohen Preis unter Ausserachtlassung der üblichen Vorsicht an Libro beteiligte, und anderseits viele Privataktionäre, die nach allen Regeln der Verführungskunst in dieses Anlageabenteuer gelockt wurden. Die Justiz hat sich mehr als zehn Jahre geplagt, diese Causa zum vorläufigen Abschluss zu bringen. Es hat an Interventionen und Rechtshandlungen der Beschuldigten nicht gefehlt, die zu beträchtlichen Verzögerungen geführt haben.
Positiv an der Libro-Causa, die inzwischen von jüngeren Skandalen wie Meinl weit übertroffen wurde, ist, dass ein Ende in Sicht ist. Die Aufarbeitung durch die Justiz ist bei der gegebenen Struktur und Gesetzeslage unbefriedigend, weil das Ergebnis nicht dem allgemeinen Rechtsempfinden entspricht. Die eigentlichen Profiteure können sich freuen, dass sie einen „Dummen“ gefunden haben, der rechtlich korrekt den Kopf hinhalten musste, während sie ihren wirtschaftlichen Gewinn weitgehend unbehelligt genießen können.
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