Top-Vorstände kassieren im Schnitt 1,3 Millionen €

Wer die Fäden in einem Top-100-Unternehmen in Europa und den USA in den Händen hält, bekommt dafür eine fürstliche Gage - aktuell im Durchschnitt 1,31 Millionen € (630.000 € Grundbezug, 683.000 € Bonuszahlungen) brutto im Jahr. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Personalberatung Pedersen & Partner. Ausgewertet wurden die Gehälter von mehr als 1200 Vorständen aus 200 börsenotierten Unternehmen in zehn Ländern in Europa und den USA - darunter beispielsweise SAP, Siemens, Deutsche Bank, Microsoft und General Electric. Die Vorstände haben Verantwortung über rund 100.000 Mitarbeiter. Bei einem Umsatz von 28,8 Milliarden € haben sie im Schnitt einen Gewinn von 3,3 Milliarden € erwirtschaftet.

8,8 Prozent Gehaltsplus

Der Lohn für die Mühe: Ein Gehaltsplus von rund 8,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 - und nicht nur das: „Seit 2008 sind die Gehälter doppelt so rasch gestiegen wie die von normalen Mitarbeitern", sagt Studienautor Conrad Pramböck. „Gegenüber dem Durchschnittsgehalt eines Angestellten verdienen die Top-Manager im Schnitt rund das Vierzigfache." Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Geschäftsführer, der knapp unter 200.000 € verdient, kommen sie auf das siebenfache Einkommen. Auch in den kommenden Jahren werden laut Pramböck die Vorstandsgagen ähnlich stark steigen. Dennoch bleiben Rekordgagen wie etwa jene von Martin Winterkorn die Ausnahme: Der VW-Boss konnte sich nach 9,3 Millionen € im Vorjahr heuer über 17,4 Millionen € Gage freuen. „Ich habe höchstens eine Handvoll europäische Manager gefunden, die mehr als zehn Millionen € pro Jahr verdienen", sagt Pramböck. Die Gage setzt sich aus drei Millionen € Grundgehalt und ­einem Bonus von sieben Millionen € zusammen.

„Gläserne Decke"

„Beschweren muss sich von den Top-Vorständen aber niemand über sein Gehalt, was sie ja für ein relativ geringes Risiko bekommen", sagt Pramböck; erst recht nicht in Österreich, wo laut dem Gehaltsexperten weniger als zwei Dutzend Manager in der Top-Gehaltsliga mitspielen und mehr als eine Million € inklusive Bonus verdienen. Als Beispiele nennt er die Vorstände von Wienerberger, OMV und Strabag, die jeweils mit rund 1,5 Millionen € vergütet werden. Auch die immer wiederkehrende Diskussion über die Höhe der Gagen wie etwa jener von Erste Bank-Chef Andreas Treichl (2011 gab es 2,2 Millionen € inklusive Prämien) kann Pramböck nachvollziehen. „Für einen österreichischen Vorstand sollte eine Million € eine gläserne Decke sein. Schließlich sind die Unternehmen hier viel, viel kleiner." Rund 700.000 € brutto hält Pramböck wiederum für einen Top-Manager in einem Staatsbetrieb für angemessen. Zum Vergleich: Die Jahresgage für einen Manager ohne Führungsverantwortung liegt hierzulande bei jährlich rund 70.000 €; ein Bereichsleiter kassiert 200.000 €, Vorstände rund eine Million €. Der Durchschnitts-Österreicher muss sich freilich mit rund 23.600 € pro Jahr begnügen.
Datum: 06.07.2012 Autor: Wirtschaftsblatt
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