Primeo-Fondsprospekt soll verfälscht worden sein
In der Madoff-Affäre tauchen immer mehr Details auf. Anlegeranwälte haben nun herausgefunden, dass der Emissionsprospekt des Primeo Fund, der einer der wichtigen Zuliefer-Fonds für den Betrüger Bernard Madoff war, an wesentlichen Stellen massiv geändert wurde. „Es wurde von Seiten der beklagten Partei (der Bank Austria, Anm.) nicht darauf geachtet, dass der Prospekt die tatsächliche Wirklichkeit widerspiegelt. Der Emissionsprospekt wurde von der beklagten Partei bewusst unrichtig und unvollständig gehalten“, heißt es in dem Schriftsatz der Kanzlei Kraft & Winternitz, der im Mai vor Gericht eingebracht wurde.
Passagen gestrichen
Konkret geht um eine Passage, wie das Verhältnis Depotbank und Depotführung auszusehen hat. Als Depotbank fungierte die HSBC: „Die Gelder des Fonds werden von der Depotbank auf eigene Konten, lautend auf den Fonds, gelegt, und sind dritten Gläubigern der Depotbank im Falle der Insolvenz nicht zugänglich, mit der Ausnahme, dass der Fonds Gelder bei Investmentgesellschaften oder Managern platziert, die ein Managed Account verwalten.
In solchen Fällen dürfen von der Depotbank im Namen des Fonds keine Investitionen gehalten werden und die Depotbank ist nicht mit dem Depotgeschäft der Vermögenswerte, die im Managed Account gehalten werden, betraut.“ So lautete der Text im urspünglichen Prospekt vom 11. Juni 2001, nur neun Tage später wurde jedoch der letzte Satz vollständig entfernt. „Man hat den Satz einfach gestrichen, obwohl er den Tatsachen entsprach“, erklärt ¬Lukas Aigner, Anwalt von Kraft & Winternitz.
Für die Bank Austria sind die Behauptungen falsch und irrelevant: „Die Prospekte waren vollständig und richtig, wobei die Adaptionen auf Wunsch der Finanzmarktaufsicht (FMA) vorgenommen wurden. Selbstverständlich gab es mit der HSBC eine verantwortliche Depotbank.
Die Bank Austria war überdies nicht Prospektersteller oder Emittent, sondern nur für die formale Prospektkontrolle zuständig“, erklärt ein Sprecher der Bank Austria.
Die UniCredit-Tochter verweist auf die bisherigen Urteile in der Madoff-Affäre. Laut eigenen Angaben steht es derzeit 8:0 für die Bank. Zwei Urteile davon sind bereits rechtskräftig, sechs anderen Verfahren hat sie ebenfalls gewonnen, allerdimgs wurden dagegen Einsprüche eingelegt. „Einige Klagevertreter wollen die Prozesse ¬offenbar über die Medien führen. Vor Gericht hat die Bank Austria bislang alle Madoff-bezogenen Verfahren gewonnen“, sagt der Sprecher.
Gerichtsurteil gegen die Bank Austria
Das Jahr beginnt für die Bank Austria in der Madoff-Affäre mit einem Rückschlag. Für den Richter steht fest, dass es im Primeo-Fondsprospekt keinen Hinweis gibt, "dass der Manager (Bernard Madoff; Anm. d. Red.) zugleich das Konto führt, er selbst damit die Informationen übermittelt, die geprüft werden können und er selbst die Depotstelle ist". Auf diesen Umstand hätte die Bank jedoch hinweisen müssen, weil dadurch das Risiko für Anleger stieg. Die Bank Austria wird gegen das Urteil Berufung einlegen.
Datum: 12.04.2012 Autor: Wirtschaftsblatt