Die Post bringt ihren Aktionären die Briefwahl

Eizinger

Post-Chef Georg Pölzl (links) und Aktionärsschützer Wilhelm Rasinger wollen die Stimmrechtsausübung vereinfachen

Die Österreichische Post macht es vor, andere börsenotierte Unternehmen sollen es bald nachmachen: Die Briefwahl bei der Hauptversammlung. Mit dem Aktienrechtsänderungsgesetz, das im August 2009 in Kraft getreten ist, wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen. Im Vorjahr wurde bei der Hauptversammlung die Briefwahl von den Aktionären abgesegnet und heuer findet sie zum ersten Mal statt.

"Unser Hauptmotiv ist die Aktionärsbindung. Wenn Aktionäre ihre Stimmrechte ausüben, dann fühlen sie sich stärker an das Unternehmen gebunden", sagt Post-Chef Georg Pölzl. Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes der Anleger IVA, geht es vor allem um die Möglichkeit, die Aktionärsdemokratie zu stärken. "Die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse kippt man mit der Briefwahl nicht", sagt der Aktionärsschützer.

Konkret lässt die Post über die österreichischen Banken die Einladung zur Briefwahl an alle Aktionäre schicken. Diese haben dann die Möglichkeit, ihre Stimme per Brief abzugeben. Die Wahlkarte muss bis zum 12. April beim Notar eingelangt sein. Am 17. April, am Tag der HV, fließt das Ergebnis dann bei der Abstimmung einfach mit ein.

"Wir haben mithilfe der Banken so erstmals die Möglichkeit, die Aktionäre direkt anzusprechen", sagt Pölzl, der die Wichtigkeit einer stabilen Aktionärsstruktur betont.

Rasinger hofft, dass die Post Vorbildwirkung hat und auch andere Unternehmen künftig ihren Aktionären die Briefwahl ermöglichen. Zumal auch die Kosten sehr überschaubar sind.

Positivere Stimmung

Generell wünschen sich beide mehr Unterstützung seitens der Politik für Aktien. Denn in Österreich seien Aktionäre immer noch als Spekulanten verschrien.

"Ich würde mir wünschen, dass die Politik positiver über Aktien spricht. Wer sollen denn die Eigentümer sein?

Ausländer wollen wir nicht, der Staat soll es auch nicht sein, dann bleiben ja nur noch die Aktionäre", wettert Rasinger. Auch Pölzl beobachtet, dass die Stimmung, die von der Politik in Sachen Aktienmarkt gemacht wird, international sehr kritisch aufgenommen wird. "Das ist auch schlecht für die Wiener Börse, die dadurch Liquiditätsprobleme hat", betont der Post-Chef.

 
Autor: Wirtschaftsblatt
Datum: 11.04.2012
 
zum Seitenanfang Artikel versenden Artikel drucken

IVA-Newsletter

Erscheint 12 x jährlich
hier anmelden

RSS-Feed

Abonnieren Sie den IVA-Newsfeed mit allen aktuellen Stellungnahmen und Veröffentlichungen in Ihrem Newsreader.

RSS-Icon zum RSS-Feed