|
|
AWD: Trotz Unwetterwarnung in Börsensturm gesegelt | Dem WirtschaftsBlatt vorliegende interne E-Mails und Aussagen von Insidern des AWD dürften neues Licht in die Diskussion um den scharf kritisierten Finanzdienstleister bringen: Wie aus den E-Mails hervorgeht, haben manche Teile des AWD Österreich bereits knapp zwei Jahre vor dem Platzen der Blase nicht mehr an Immo-Aktien geglaubt. Sogar AWD-Gründer Carsten Maschmeyer habe gewarnt. Einige regionale Verantwortliche haben daraufhin den Fuß vom Gaspedal genommen, was den Vertrieb von Immo-Aktien betrifft. Andere Teilstrukturen taten offenbar das genaue Gegenteil.
Seltene Selbstkritik Wie aus einem Ende 2005 datierten E-Mail hervorgeht, hatte man in der AWD-Teilstruktur darauf verwiesen, dass in den Kundendepots -entgegen einer Risikostreuung -der Anteil von Immofinanz-und Conwert-Aktien viel zu hoch sei. Und: Man konstatierte sogar, dass man da "nicht mehr wirklich von einem echten Portfolio" sprechen könne. In dieser Zeit sei laut einem Zeugen von höchster Stelle aus -durch AWD-Gründer Carsten Maschmeyer selbst -gewarnt worden: Maschmeyer habe bei einem Besuch in Österreich hochrangige AWD-Mitarbeiter auf das "Klumpenrisiko" Immo-Aktien (Zeuge) angesprochen. Der AWD Österreich bestätigt mehrere Österreichbesuche Maschmeyers bis zu seinem Ausscheiden. Maschmeyer persönlich lässt über seine Sprecherin ausrichten, dass die fragliche Aussage länger zurückliege und er sich "nicht mehr erinnern" könne. Fakt ist, dass sich AWD-Zirkel in Österreich den Rat des Gründers und die Börsenweisheit, dass an Gewinnmitnahmen noch kein Anleger oder Kunde gestorben ist, zu Herzen genommen haben. Andere Teilstrukturen (das geht aus durch das WirtschaftsBlatt bereits veröffentlichten Mails hervor, Anm.) machten aber in puncto Immo-Aktien-Vertrieb mit voller Energie weiter, was sich später in vermehrten Klagen niederschlug (s. Grafik). So wurden etwa Wiener Mitarbeiter mit "Bitte 2 Wochen VOLLGAS!" (wörtlich, Anm.) angespornt, Conwert-Aktien zu vermitteln.
Insider als auch AWD-Sprecher Hansjörg Negelschmidt erklären das regional unterschiedliche Vorgehen der Teilvertriebe damit, dass sich hohe Strukturvertriebs-Mitarbeiter als Selbstständige sehen und selbst entscheiden, ob sie Ratschläge annehmen. VKI-Chefjurist Peter Kolba, der gegen AWD wegen des Vorwurfs der strukturellen Fehlberatung prozessiert, verweist darauf, dass (erst) 2007 die AWD-Österreich-Spitze erstmals in einem Fachmagazin einräumte, dass zu viele Immo-Aktien in den Kunden-Depots lagern. Zur Kundenbasis, meint Kolba, seien Warnungen oft nicht vorgedrungen. Stattdessen wurden noch mehr Aktien verkauft oder Kunden gedrängt, trotz Kursstürzen nicht zu verkaufen.
MASCHMEYERS NEUE GESCHÄFTE Carsten Maschmeyer hat wieder für Schlagzeilen gesorgt: Der Gründer des AWD hat sich in den letzten Jahren sukzessive von AWD zurückgezogen und versucht nun, sein Vermögen anzulegen. Zuletzt hatte er Aktien am heutigen AWD-Eigentümer Swiss Life für fast 54 Millionen €verkauft. Maschmeyer, der nun ein Buch herausgegeben hat, erwarb über seine Investmentfirma Alstin 12,5 Prozent am Leverkusener Biotech-Unternehmen Biofrontera. Zuvor war er beim Klinikbetreiber Marseille-Kliniken und beim ostdeutschen Fahrradhersteller Mifa eingestiegen. Maschmeyer ist ein Beschuldigter in der Strafanzeige, die in Wien gegen AWD erstattet worden war.
| | | Autor: Wirtschaftsblatt Datum: 03.04.2012 | | |
|
RSS-Feed
Abonnieren Sie den IVA-Newsfeed mit allen aktuellen Stellungnahmen und Veröffentlichungen in Ihrem Newsreader.
zum RSS-Feed
|