Atrium: Wiener Gericht ist zuständig

Dass Atrium in Wien geklagt werden kann, ist nicht die einzige Sorge von CEO Rachel Lavine: Aktien- und Anleihenrückkäufe sowie eine Kapitalerhöhung stehen auf der Agenda.

Wer glaubt, dass bei Atrium (früher MEL) für ein paar Wochen zumindest Ruhe einkehrt, der irrt. Alleine in den vergangenen Tagen sind gleich mehrere interessante Meldungen eingelangt.

Die aus Sicht des Atrium-Managements unangenehmste kam durch einen Beschluss des Handelsgerichts in Wien zustande. "Wir haben es jetzt schriftlich, dass Atrium - obwohl der Firmensitz in Jersey liegt - in Wien geklagt werden kann", zeigt sich Anwalt Ulrich Salburg, der den Prozessfinanzierer AdvoFin vertritt, zufrieden. Klagen an CEO Rachel Lavine sind damit jetzt offiziell zugestellt werden. Dieser Beschluss ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Damit ist es jetzt möglich, mit allen drei Parteien (nämlich Meinl Bank, Meinl Success und Atrium) gleichzeitig zu verhandeln. Schließlich wird immer noch darüber gestritten, wer für die damalige MEL-Werbekampagne verantwortlich gewesen ist. "Solange Atrium noch nicht zu den Beklagten zählte, wurde die Verantwortung der beiden anderen immer auf Atrium geschoben", so Salburg. Und weiter: "Atrium hat zwar bisher auch bestritten, etwas damit zu tun zu haben - doch dieses Spiel muss und wird jetzt ein Ende finden."

Dass Atrium in Wien geklagt werden kann, könnte für Anleger einen weiteren positiven Nebeneffekt haben. "Natürlich wäre es einfacher, mögliche Schadenersatzansprüche bei der Meinl Bank zu exekutieren", so der Anwalt. "Sollte das aber nicht möglich sein, weil die Meinl Bank beispielsweise nicht überlebt, so haben wir jetzt eine entsprechende Absicherung." Schließlich verfügt Atrium über ein beträchtliches Liegenschaftsvermögen in Osteuropa - dort wären österreichische Urteile (im Gegensatz zu Jersey) vollstreckbar.

Hauptversammlung

Ebenfalls vor Kurzem wurde die ordentliche Hauptversammlung im Mai angekündigt. Auf der will sich CEO Lavine einerseits ein Aktienrückkaufprogramm von 50 Millionen Aktien (rund 13 Prozent des Grundkapitals), andererseits auch eine Kapitalerhöhung in Höhe von zehn Prozent des Grundkapitals (37,2 Millionen Aktien) genehmigen lassen.

Die Kapitalerhöhung werde benötigt, um das laufende Aktienoptionsprogramm für Führungskräfte um zwei Millionen auf maximal 4,5 Millionen Aktien aufzustocken. Mit den restlichen 35,2 Millionen Aktien will sich Atrium die Möglichkeit offen lassen, führende Mitarbeiter nur in Aktien (und nicht in Cash) zu bezahlen.

Zur Erinnerung: CEO Lavine hat bereits 2,5 Millionen Aktienoptionen, laut Director¥s Dealings-Liste der FMA hat sie im März die Option auf eine Million Aktien ausgeübt. Der Ausübungspreis dürfte laut Geschäftsbericht bei rund 1,31 € je Aktie gelegen haben - der aktuelle Kurs liegt bei knapp 4,5 €. Das entspräche einer Differenz von über drei Millionen €.

Anleihen-Rückkauf

Zuletzt meldete das Unternehmen, Schuldverschreibungen (Guaranteed Notes 2013) vorzeitig zur Nominale plus 1,5 Prozent der Nominale zurückzukaufen. Am Bargeld soll es nicht liegen: Atrium verfügt über Cash-Bestände von 610,7 Millionen € - der Rückkauf würde knapp 155 Millionen € kosten. Dadurch würde sich der Loan to Value (LTV, Finanzverbindlichkeiten zu Immobilienvermögen) von 30,7 auf 23,6 Prozent reduzieren.

Wirtschaftsblatt, 11.5.2010
Datum: 11.05.2010 Autor: Wirtschaftsblatt

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