Rasinger: "Ein Rückschritt für den Kapitalmarkt"

IVA-Präsident Wilhelm Rasinger zeigt sich enttäuscht, dass bei den brisanten Anlagerschutzfällen in den vergangenen zwölf Monaten kaum etwas weitergegangen ist und nimmt Raiffeisen ins Visier.

Um die Reputation des österreichischen Kapitalmarktes aufzupolieren, schlägt der IVA eine Reihe von Neuerungen vor:

* Volle Transparenz auch bei den Bezügen einzelne Vorstands-Gagen
* Prämien nur zur Hälfte sofort auszahlen, Rest nach drei Jahren
* Tausch der Wirtschaftsprüfer nach fünf bis sieben Jahren
* Verkürzung der Vertragsdauer von Aufsichtsräten auf drei Jahre
* Immo-Gesellschaften sollen Großteil der Mieteinnahmen als Dividende ausschütten
* Strengere Regeln für Immo-Bewerter
* Managementverträge bei Immo-Gesellschaften müssen offengelegt werden
* Darstellung der Immo-Aufwertungsgewinne über eigene Rücklagen und nicht über die GuV-Rechnung

Das abgelaufene Jahr ist aus Sicht von Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbandes für Anleger IVA „ein Rückschritt für den Kapitalmarkt“. Schuld daran seien die nach wie vor ungelösten Fälle rund um die Meinl Bank und die Immobilienkonzerne Immofinanz und Immoeast sowie die fragwürdigen Deals rund um Managementverträge bei Conwert und Eco Business. Rasinger: „Nach zehn Millionen € im ersten Jahr sind für 2009 weitere Abwertungen“ von übernommenen Managementverträgen bei Conwert „zu befürchten“. Rasinger forder nun Änderungen, wie einen Zwang zur Dividendenausschüttung bei Immo-Aktien. „Dann wäre nicht mehr der Kurs allein im Fokus.“

Meinl und die Immokonzerne sind freilich nicht die einzigen Zores, mit denen sich so mancher Privatinvestor herumschlagen muss. Der IVA hat deshalb erstmals übersichtlich dargestellt, welcher Rechtsvertreter in welcher Causa am ehesten in Frage kommt (siehe Tabelle).

Ins Visier von Rasinger ist nun auch Raiffeisen geraten. Der IVA-Chef hat zwar nochmals sein prinzipielles Verständnis für die geplante Fusion von Raiffeisen International mit Teilen der Raiffeisen Zentralbank bekräftigt. Der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA) stellt den Bankchefs aber die Rute ins Fenster: „Wenn es zu keinem adäquaten Umtauschverhältnis für die Kleinaktionäre kommt, werden wir ein Überprüfungsverfahren einleiten.“

RI notiert unter dem Emissionskurs


Die Nervosität unter Anlegern der Ostbankenholding RI ist zuletzt deutlich gestiegen. So kursiert neben einem Raiffeisen-internen Bewertungsvorschlag von 40 € je RI-Aktie auch eine externe Schätzung, die von 80 bis 93 € spricht. Brisant dabei: Das Wertpapier kam im Frühling 2005 zu einem Kurs von 32,50 € auf den Markt und ist bis Mitte 2007 auf 122,50 € gestiegen. Die jüngsten Fusionspläne haben die Bankaktie auch gestern wieder deutlich unter Druck gesetzt, sodass sie bereits unter dem Ausgabepreis notiert.
Aktuell im Visier hat der IVA auch die neue Struktur bei Ottakringer, ist damit aber beim Firmenbuchgericht vorerst abgeblitzt. Rasinger fehlt das für ein Überprüfungsverfahren nötige Grundkapital an der Gesellschaft von 70.000 €. „Das werden wir vor dem Verfassungsgerichtshof anfechten“, so Rasinger.

Wirtschaftsblatt, 5.3.2010
 
Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
Datum: 05.03.2010
 
zum Seitenanfang Artikel versenden Artikel drucken

IVA-Newsletter

Erscheint 12 x jährlich
hier anmelden

RSS-Feed

Abonnieren Sie den IVA-Newsfeed mit allen aktuellen Stellungnahmen und Veröffentlichungen in Ihrem Newsreader.

RSS-Icon zum RSS-Feed