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Rasinger: Salzburger Festspiele | In der Landeshauptstadt finden fast jederzeit für jedermann Festspiele statt: Mozartwoche im Jänner, Ostern, Sommer und seit kurzem für ein neues Zielpublikum zwischendurch nach dem Musikantenstadel der Intrigantenstadel. Es ist schwer zu sagen, ob das ein Watschentanz, eine Komödie, eine Tragödie oder auch nur das in Österreich beliebte Spiel der Suche nach einem Sündenbock ist. Dabei geht es im Vergleich zu den Bankenskandalen Meinl und Constantia bloss um Bagatellbeträge. Der mögliche Schaden soll deutlich unter einer Million Euro sein, aber da Politiker involviert sind, wird darüber in den Spalten Politik, Kultur und Wirtschaft mehr als ausführlich berichtet. Erst wenn alle Teilnehmer draufkommen, dass alle beim gegenseitigen Schmutzbewerfen angepatzt sind und es keine Sieger geben wird, wird Vernunft einkehren. Es ist in diesem Land immer dasselbe: Fehlverhalten, Kompetenzüberschreitungen, Verschwendung öffentlicher Gelder und Arroganz wird aus Gründen der Konfliktvermeidung und mit der Begründung bzw. dem Hinweis auf anerkennenswerte Leistungen akzeptiert. Jeder weiß mehr oder weniger darüber, aber es ist bequemer wegzuschauen. Nur allzu oft werden Kritiker mit Geld oder subtileren Methoden mundtot gemacht. Die Medien freuen sich, wenn sie auflagenerhöhend über die Streitereien prominenter Persönlichkeiten berichten können. Nach kurzer Zeit wird nicht mehr diskutiert, wer war der Auslöser der Malversationen, sondern wem kann eine mangelnde Sorgfaltspflicht bei der Wahrnehmung der Kontrolle "umgehängt" werden. "Höhepunkte" sind oft die Einschaltung von Staatsanwaltschaft und Gericht und damit gerät die Angelegenheit allzu oft (gewollt?) auf die "lange Bank". Kontrollfunktion ist eine anspruchsvolle Tätigkeit und - wenn sie Ernst genommen wird - ungeeignet, einen Beliebtsheitstest zu gewinnen. Fehlentwicklungen zeichnen lange vorher ab und diesen soll möglichst frühzeitig entgegengewirkt werden. Im internationalen Vergleich hat Österreich eine eklatante Schwäche: die Aufarbeitung von Skandalen dauert zu lange und endet oft mit lauwarmen Konsequenzen. Unterschiede zwischen Politik, Kultur, Wirtschaft und Finanzmärkte sind kaum mehr wahrnehmbar. Die verantwortlichen Spitzenkräfte sind gefordert und nicht dazu da, das breite Publikum zu hohen Kosten zu unterhalten, aber letztendlich zu frustrieren.
| | | Autor: Dr. Wilhelm Rasinger Datum: 26.02.2010 | | |
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