Zur ersten großen Hauptversammlung im Neuen Jahr wird traditionsgemäß von Siemens in die Münchner Olympiahalle eingeladen. Von den angemeldeten 21.000 Aktionären nahmen 7.700 teil. Die Registrierung erfolgt durch einen Strich-Code, wodurch die Wartezeiten bei Beginn gering gehalten werden können. Die Präsenz lag bei über 43 Prozent, da beachtliche 34.000 Stimmrechtsvollmachten an verschiedene spezialisierte Organisationen ausgestellt wurden. Die Aktionäre erhalten eine Gratis-Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel.
Die Versammlung selbst dauerte zehn Stunden. Die Versorgung mit Speisen und Getränken war reichlich, verhinderte aber so in erster Linie, dass die Teilnehmer hungrig und durstig dem Verlauf verfolgen müssen. Der mehrere Kilo schwere Geschäftsbericht mit 350 Seiten wird nur von ganz wenigen Aktionären verwendet, den meisten reichen die Kurzinformationen und die Präsentation des des Vorstandsvorsitzenden. Circa 50 Aktionäre bzw. deren Vertreter traten als Redner und Fragesteller auf. Professionell, ruhig und gelassen wurde die mehrstündige Debatte abgehandelt, Kritik und provokante Beiträge brachten den Versammlungsleiter Gerhard Cromme nicht aus der Ruhe. Da über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie die Zustimmung zu den Vergleichsverhandlungen neun ehemaligen Organmitgliedern einzeln abgestimmt wurde gab es über 50 Abstimmungsvorgänge. Die Ergebnisse zeigen minimalen Schwankungen bei einer Zustimmungsrate von durchgehend um 99 Prozent. Die Sinnhaftigkeit dieser Vorgangsweise ist daher in Frage zu stellen. Die Debatte beherrschten zwei Themen: der Schlussstrich zur Korruptionsaffäre und die erstmalige Diskussion des Systems der Vergütung der Vorstandsmitglieder. Die Vergleichsbeiträge der involvierten Vorstände fielen angesichts eines Schadens inklusive diverser Beratungen von über 2,5 Milliarden € mit circa 1 Prozent mehr als bescheiden aus, weil die Ansprüche aus den Pensionsverträgen nicht angetastet wurden. Es kann davon ausgegangen werden, dass die öffentliche Schmach und mehrjährige Beschäftigung mit dieser unangenehmen Vergangenheit den Betroffenen mehr weh getan hat als die symbolischen Beiträge zur Schadensminderung. Die Beratungskosten betrugen unvorstellbar hohe 800 Millionen Euro. Die Korruptionsäffare führte dazu, dass die Vergütungen für den Aufsichtsrat und den runderneuerten Vorstand sprunghaft stiegen. Das Abstimmungsergebnis mit Gegenstimmen von über 10 Prozent gibt diesen Unmut wieder. Der ausführliche Vergütungsbericht umfasst 15 Seiten im Geschäftsbericht. Auffällig ist der Einfluss von US-Vergütungsusancen, da der Vorsitzende des Vorstandes circa das 2,5-fache seiner Kollegen lukriert und ein Stellvertreter nicht bestellt ist. Die Hauptversammlung vom 26.1.2010 war perfekt organisiert und es ist gelungen einen Schlusstrich zur unerfreulichen Vergangenheit zu ziehen und den Blick wieder auf die Zukunft zu richten.
Dies trifft auch auf Österreich zu, da vor kurzem nach fast fünf Jahren Ringen das gerichtliche Überprüfungsverfahren betreffend Übernahme VATech unter dem Druck der hohen Kosten durch Vergleich erledigt wurde.
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