2009: Mehr Rückschritt als Fortschritt

Die wenigen  Aktionäre mit guten Nerven können mit dem Jahr 2009 zufrieden sein, denn sie konnten von den niedrigen Kursen vom Anfang des Jahres mit phantastischen Steigerungsraten profitieren. Viele institutionelle Investoren, wie etwa Aktienfonds, verkauften, um für Rücklösungen von Fondsanteilen ausreichend liquide zu sein. Das Nachsehen hatten die Investmentfondsbesitzer.


Das Aktienrechtsänderungsgesetz brachte eine Fülle von organisatorischen Änderungen für die Vorbereitung und den Ablauf von Hauptversammlungen. Gegen den Protest des IVA wurde das Auskunftsrecht eingeschränkt. Die neue Möglichkeit, Antworten gerichtlich zu erzwingen, ist nur theoretischer Natur, da das Kostenrisiko im Vergleich zu Deutschland ein wirtschaftlich unüberwindbares Hindernis darstellt. Eine weitere Verschlechterung für viele Aktionäre, vor allem jene die keinen Internet-Anschluss mit hoher Druckerkapazität besitzen, ist der Umstand, dass Geschäftsberichte nicht mehr in gedruckter Form zugeschickt werden müssen, sondern nur mehr auf der Website verfügbar sein müssen.

Immer wieder wird deutlich, dass die Staatsanwaltschaften nicht ausreichend über die nötigen fachlichen Ressourcen verfügen, um Anlegerskandale wie Meinl, Immofinanz, AvW effizient in vertretbarer Zeit aufzuarbeiten.


Die Strategie von Meinl, die Justiz bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Hilfe hochbezahlter Berater frontal anzugreifen, hat Teilerfolge gebracht, wie zB die Abberufung des Sachverständigen. Meinl European Land (jetzt Atrium) leistete bekanntlich über 280 Millionen an die Meinlbank-Gruppe für die Auflösung bestehender Verträge. Durch diverse Aktionen der von Meinl ausgesuchten Nachfolger Citi/Gazit Globe kam es zu weiteren schmerzhaften Verwässerungen für die Atrium-Anteilseigner.


Uneinsichtig ist der AWD, der vom VKI (Verein für Konsumenteninformation) vertretene geschädigte Anleger bei der gerichtlichen Durchsetzung ihrer Ansprüche  "ausrutschen" lassen möchte. Eine problematische Strategie von juristischen Hardlinern, die dafür hohe Beratungshonorare lukrieren - und den massiven Imageschaden dem Auftraggeber überlassen.  
Erfreulich sind hingegen die herzeigbaren Sanierungserfolge des Managementteams um Dr.Zehetner bei der Stabilisierung und Neupositionierung der Immofinanz und Immoeast.
Die Dezember-Hauptversammlung der AUA  war sowohl vom Ergebnis (Hinauswurf der treuen und naiven Aktionäre zum "Bettel" von 0,50 je Aktie)  als auch vom Ablauf (Deutscher  HV-Aktionismus und hartnäckiges Verweigern von Antworten auf wichtige Fragen)  sehr unbefriedigend und ärgerlich.


Das Jahr 2010 könnte daher eigentlich besser werden. Allerdings stellt sich die Frage: Werden die vielen Lippenbekenntnisse, die von Politikern zur Finanzkrise getätigt haben, zu besseren Regeln führen oder werden sich die vielfach sich im Halbdunkel agierenden "Lobbyisten" durchsetzen?  


 
Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
Datum: 09.01.2010
 
zum Seitenanfang Artikel versenden Artikel drucken

IVA-Newsletter

Erscheint 12 x jährlich
hier anmelden

RSS-Feed

Abonnieren Sie den IVA-Newsfeed mit allen aktuellen Stellungnahmen und Veröffentlichungen in Ihrem Newsreader.

RSS-Icon zum RSS-Feed