A-Tec: 2010 wird ganz und gar nicht lustig

Erfreulich und ernüchternd zugleich. Mirko Kovats konnte mit der Publikation der Zahlen für die ersten drei Quartale überaus positiv überraschen. Allerdings steckt der Teufel wieder einmal im Detail. Es gibt nämlich eine ganze Reihe an Einflussfaktoren, die Aktionäre für die A-Tec-Zukunft betrüblich stimmen müssen. Aber alles der Reihe nach...

Umsatzmäßig waren keine Wunder zu erwarten, dementsprechend sanken die Erlöse in den ersten drei Vierteljahren um 10,4 Prozent auf 2,138 Milliarden €. Höchst erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei den Gewinnkennzahlen. Denn das EBITDA konnte gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 20 Prozent, das EBIT sogar um 28,3 Prozent auf 97,4 Millionen € zulegen, folglich erhöhte sich auch die EBIT-Marge auf 4,56 Prozent. Beim EBT fällt das Plus allerdings mit 4,3 Prozent deutlich geringer aus, was aber auf den Sondereffekt der vorjährigen Anteilsverkäufe von Cumerio und Norddeutsche Affinerie zurückzuführen ist. Dieser Umstand und ein höheres Steueraufkommen führten allerdings zu einem leicht rückläufigen Perdiodenergebnis, was sich in einem Gewinn je Aktie von 1,36 € manifestierte, gegenüber 1,66 € in den ersten drei Quartalen 2008.

Kupfer-Sonderstory. Ganz so viel Freude kommt auf den zweiten Bilanz-Blick allerdings nicht mehr auf, denn das überraschend positive EBIT hat neben Kosteneinsparungen nur eine "Mutter", nämlich die Kupfersparte. Und das nicht etwa, weil das Geschäft so floriert, sondern weil durch den steigenden Kupferpreis Lageraufwertungs- und Hedging-Erfolge eingefahren wurden. So glänzt das Segment "Minerals & Metals" mit einem EBIT-Plus von 159 Prozent und einer dahinterliegenden Traummarge von 10,6 Prozent - und all das trotz eines Umsatzeinbruchs von 40,9 Prozent auf 423 Millionen €. Wenngleich erwähnt werden muss, dass seit Kurzem die Kapazitäten in der Kupfersparte wieder ausgelastet sind.

Dass diese "geschäftsunnatürlichen" Aufwertungseffekte keine Dauereinrichtung darstellen, ist aber wohl auch klar. Denn ewig wird der Kupferpreis seine Hausse nicht fortsetzen können, zudem schwächt sich der Basiseffekt ab. Immerhin summierten sich in den ersten drei Quartalen auf diese Art und Weise 24 Millionen €, also noch einmal acht Millionen mehr als im Halbjahreszeitraum. Unterm Strich konnte das Segment nach neun Monaten ein um 294,6 Prozent höheres EBT von 37,9 Millionen € ausweisen - das sind 64,5 Prozent des Konzern-EBT (!). Und wie gesagt, das wird langfristig nicht zu wiederholen sein.

Noch ernüchternder wird die Neun-Monats-Bilanz mit Blick auf die restlichen Konzern-Sparten, und da besonders auf die Unternehmens-Perle, den Anlagenbau. Zwar stiegen dort die Umsätze um 13,5 Prozent, dafür sank die EBIT-Marge von 4,0 auf nur noch 3,3 Prozent, und der Auftragsstand verringerte sich um 30,2 Prozent oder knapp eine Milliarde € auf nur noch 2,096 Milliarden €. Das negative EBT in der Antriebstechnik und das gerade noch positive EBT im Werzeugmaschinenbau überraschten dagegen niemand negativ.

Das alte Lied vom negativen Finanzergebnis. Zunehmend grauslich wird der Blick auf das traditionell negative Finanzergebnis. Zwar fällt diesmal positiv auf, dass A-Tec von den günstigeren Zinsbedingungen gegenüber dem Vorjahr profitieren konnte und ein im dritten Quartal um 4,4 Millionen € verbessertes Finanzergebnis ausweisen kann. Allerdings wird die Dimension der Belastung aus dem Finanzergebnis so richtig mit Blick auf die vollen neun Monate sichtbar, wo ein negativer Betrag von 38,6 Millionen € durchschlägt.

Ende September träumten wir an dieser Stelle noch von einer möglichen Sensation und einem positiven Finanzergebnis auf Jahressicht. Denn immerhin kann sich Mirko Kovats einen aus dem Teil-Rückkauf der 2007er-Wandelanleihe (siehe Analyse vom 28. September) entstandenen Buchgewinn von 29,19 Millionen € auf die Fahnen heften. Dieser Betrag wird zwar erst in den Q4-Zahlen im Finanzergebnis sichtbar, aber es ist nicht schwer nachzurechnen, dass das Finanzergebnis trotzdem deutlich negativ ausfallen wird. Wir schätzen es in Summe aufgrund der ab dem vierten Quartal wieder steigenden Zinslast auf zumindest minus 24 Millionen €. Das liegt nicht nur an der Ende September emittierten, 110 Millionen € schweren und mit 8,75 Prozent verzinsten Wandelanleihe, sondern auch an der im dritten Quartal deutlich gestiegenen Nettoverschuldung, die schon wieder 326,5 Millionen € ausmacht und einem Gearing von momentan 91,7 Prozent entspricht, das sich mit 31.12. noch einmal erhöhen wird.

Böses Erwachen. All die schönen Einmaleffekte aus der Kupfersparte und dem Wandelanleihe-bedingten Buchgewinn werden daher den Gewinn je Aktie 2009 kräftig aufpeppen und die konservativen Analystenschätzungen pulverisieren. Das böse Erwachen düfte 2010 folgen. Es ist nämlich nicht zu erwarten, dass das Wirtschaftswachstum derart anspringt, dass die einzelnen Konzern-Sparten die heurigen Einmaleffekte auch nur zum Teil gewinnmäßig ausgleichen können. Es wäre daher schon ein Erfolg, wenn es A-Tec-Boss Kovats gelingt, das im nächsten Jahr tiefrote Finanzergebnis (geschätzte minus 60 Millionen €) zu kompensieren und einen kleinen Nettogewinn zu erwirtschaften. Wir raten daher vom Kauf der Aktie ab, auch wenn kurzfristig aufgrund des intakten Aufwärtstrends noch charttechnisches Potenzial besteht.

Wirtschaftsblatt, 11.11.2009

 
Autor: Wirtschaftsblatt
Datum: 11.11.2009
 
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