In der letztwöchigen Kolumne habe ich die Meinung vertreten, dass es langfristig für den AWD und seine ehemaligen und zukünftigen Kunden sinnvoller wäre, statt beachtliche Beträge für Inserate und Plakate zu investieren mit den geschädigten Anlegern eine vergleichsweise Bereinigung anzustreben - allen voran mit denen, die durch den VKI vertreten werden .
Die Reaktionen waren heftig: einerseits viel Zustimmung, andrerseits auffällig gehässige und untergriffige, alles natürlich unter dem "Schutz der Anonymität".
Daher zur Klarstellung einige Bemerkungen:
o Niemand, weder Finanzberater noch Analysten und der IVA, können zukünftige Kursentwicklungen exakt voraussagen. Auch nicht bei Immobilienaktien, weil es keine Garantie gibt, dass der Markt zu jeder Zeit den innere Wert der Aktie abbildet; zum sogenannten NAV (Net asset value) gibt es immer wieder Abschläge und Zuschläge.
o Die Malversationen, Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen, sind von den Beschuldigten Petrikovics wie Meinl bzw. deren Helfershelfern, für die allesamt die Unschuldsvermutung gilt, zu verantworten. Diese Betrügereien waren für die Finanzberater nicht vorhersehbar.
o Es ist mir nicht bekannt, dass die provisionsgetriebenen AWD-Berater, die vor allem hervorragend verkaufspsychologisch geschult sind, mit den Kunden Punkt für Punkt die Risikohinweise aus den jeweiligen Kapitalmarktprospekten durchgearbeitet haben. Den Kunden gegenüber wurden günstige Kursentwicklungen der Vergangenheit unkritisch in die Zukunft projiziert.
o Es gibt Kunden, bei denen unter dem Stichwort Risikostreuung neben Immofinanz-Aktien auch noch andere Immo-Papiere, namentlich Immoeast, Conwert und Ecobusiness, empfohlen wurden. Viele Kunden wurden nicht darauf hingewiesen, dass die Finanzdienstleister Bestandsprovisionen erhalten und somit im Interessenskonflikt zu einer fairen und "unabhängigen" Beratung standen.
o Als Branchenleader steht der AWD im Fokus der Aufmerksamkeit. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass andere ähnlich organisierte Vertriebsorganisationen wie OVB oder EFS keinen Anlass für Kritik geben.
Der informierte und ausreichend aufgeklärte Anleger trägt die Verantwortung für die Chancen und Risken seiner Veranlagung. Nicht für jeden Schaden gibt es einen "Schuldigen", der für die Wertminderung aufzukommen hat. Es stimmt auch nicht, dass alle Finanzdienstleister "schlecht" sind und alle geschädigten Anleger keine Verantwortung zu tragen haben.
2007 betrug der Jahresüberschuss des AWD Österreich noch über 24 Mio.€, 2008 betrug er nur noch 2 Mio€ - bei einem von 13 Mio€ auf 19 Miio€ erhöhten Verwaltungsaufwand.Es wird spannend, wer im AWD langfristig das Sagen haben wird: die Allianz aus juristischen Hardlinern und vieles versprechenden Lobbyisten bzw. PR-Beratern - oder die sich den eigenen Slogans und Leitsprüchen verpflichteten Verantwortlichen.
|