IVA-Analyse 2008: Aufsichtsrats- und Vorstandsbezüge

Der Druck nach mehr Transparenz ist international und auch in Österreich sehr stark spürbar. Die Finanzkrise hat die Diskussion intensiviert. Die Exzesse, wie sie uns aus den USA aber auch aus Deutschland bekannt sind, gibt es in Österreich nicht. Daher sind die hartnäckigen Widerstände, die mit nicht sehr überzeugenden Argumenten öffentlich ausgedrückt werden, nicht verständlich. Es gelang nicht, dass eine moderate Transparenz – insbesonders betreffend die Einzelveröffentlichung - im Österreichischen Corporate Governance Kodex von der Mehrzahl der Unternehmen akzeptiert und umgesetzt wurde. Nur 13 von 49 Unternehmen des Prime Markets entsprechen den in Europa üblichen Standards - das ist nur jedes Vierte.
In die Untersuchung wurden die Unternehmen des Prime Markets einbezogen. Heuer sind es 49 Unternehmen. Nicht mehr dabei sind Böhler-Uddeholm, AvW, Brainforce, C-Quadrat, HTI, Hirsch Servo, Porr, skyeurope und SW Umwelttechnik. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurden die Durchschnittswerte neu berechnet. Das Zahlenmaterial wurde den Geschäftsberichten entnommen. Es wurden keine individuellen Bezüge dargestellt, sondern nur der Aufwand für das Kollegialorgan Vorstand bzw. Aufsichtsrat.

Ergebnisse

Es ergeben sich  Verzerrungen bei der Veränderung der Anzahl der Gremienmitglieder. Scheidet ein Vorstandsmitglied aus, so kann durch die Zahlung von Abfertigungen bzw. Abfindungen ein Einmaleffekt entstehen. In der Regel werden die erfolgsabhängigen Prämien im nachhinein im Folgejahr berechnet und ausbezahlt. Es gibt auch Fälle, bei denen ein Erfolgsprämien für mehrere Jahre im nachhinein bezahlt wurden. Da darüber hinaus die erfolgsabhängigen Komponenten nicht einheitlich festgelegt werden, sondern unterschiedliche Bezugsgrößen haben, ist die Korrelation zwischen erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteilen zu dem Ergebnis vor Steuern nicht sehr stark ausgeprägt. Das Ergebnis vor Steuern sank  2008 um beachtliche 88,4 Prozent, die Bezüge nur um 10 Prozent.
Die Ergebnisse sind durch die katastrophalen Zahlen der Immobiliengesellschaften geprägt, allen voran Immofinanz und Immoeast, obwohl nur die Holdinggesellschaft Immofinanz bzw. CA Immo in die Durchschnittsberechnung und nicht die Tochtergesellschaft Immoeast bzw. CA Immo International einbezogen wurde. Die finanziellen Vorteile aus Stock Options-Programmen sind nicht erfasst. Dies betrifft u.a. Andritz, Erste Bank, OMV und Telekom. Die besten Ergebnisse – gereiht nach der Höhe – erzielten OMV, Verbund, Raiffeisen International, Erste Group Bank, Vienna Insurance Group. Bei den Vorstandsbezügen finden sich in der Spitzengruppe Erste Group Bank, knapp gefolgt von Andritz, Raiffeisen International, OMV und Strabag.  

Die  Aufsichtsratsvergütungen  werden bei den meisten Gesellschaften von der Hauptversammlung für das vergangene Jahr bestimmt.  Erfolgsabhängige Komponenten sind eher nicht üblich. Der Aufholprozess hat sich fortgesetzt: die Steigerungsrate zum Vorjahr beträgt 9,5 % und beläuft sich damit (nur) auf 6,4 % (Vorjahr 5,4 %) der Vorstandsbezüge. Im Vergleich zu Deutschland sind die Renumerationen  mit 174 TEUR deutlich geringer, selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Größenordnungen der Unternehmen. Der verständliche Aufholprozess ist sichtbar und reflektiert die zunehmende Bedeutung dieses Gremiums.  


Schlussfolgerungen

Bei einigen Unternehmen besteht noch ein Nachholbedarf. Ein kompetenter und engagierter Aufsichtsrat mit sechs Mitgliedern wird  120 TEUR  bis 180 TEUR kosten. Denn Leistung und Verantwortung hat ihren Preis.

Den internationalen Tendenzen im Ausland folgend  verlangt die Neufassung des Corporate Governance Kodex, dass die Bezüge der Aufsichtsräte einzeln veröffentlicht werden. Die Einzelveröffentlichung der Vorstandsbezüge wird nur durch eine gesetzliche Regelung erreichbar sein, die dann sehr umfangreich, detailliert und damit auch kompliziert ausfallen wird.

In Österreich konnten 2008 weder bei den Vorstandsbezüge noch bei den Aufsichtsratsvergütungen überzogene, nicht zu rechtfertigende Steigerungsraten festgestellt werden. Für 2009 und 2010 werden in einigen Branchen Ergebnisrückgänge erwartet werden. Die Auswirkungen für die Vorstände und Aufsichtsräte wird die nächstjährige Analyse zeigen.  

An dieser Analyse haben Mag. Dan Berger und Hannes Berzenyi mitgearbeitet. 

Die Basisdaten dazu finden Sie auf der IVA-Homepage unter "Analysen/Vorstandsbezüge"

 
Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
Datum: 05.11.2009
 
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