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Rasinger im Falter: "Meinl verhöhnt seine Opfer!" | Herr Rasinger, Sie haben das Meinl-Interview im Falter gelesen. Was hat Sie daran aufgeregt?
Ich verfolge die Causa seit vielen Jahren und sehe, wie viele kleine Anleger durch Meinl-Produkte Geld verloren haben. Und zwar Leute aus den unteren Schichten. Meinl sagt heute, das täte ihm Leid, obwohl er keine der vielen Chancen der Wiedergutmachung genützt hat. Deshalb kann ich überhaupt nicht verstehen, warum er sich gerade im Falter selbst bemitleiden darf. Für Nicht-Betroffene ist das vielleicht ein kulinarisches Boulevardstück. Für seine Tausenden Opfer ist das Interview ein Hohn.
Meinls Sicht ist für die Causa aufschlussreich. Einem Journalisten mit dezidiert kritischem Zugang würde er sich jedoch niemals stellen.
Ich möchte Ihrer Chefredaktion keine Ratschläge erteilen. Der Umgang mit Meinl ist ja höchst schwierig. Meinl ist ein hochintelligenter, in Finanzangelegenheiten strategisch handelnder Mensch. Meiner Ansicht nach glaubt er, dass man sich in Österreich mit Geld alles kaufen kann. Derzeit versucht er wieder an die Tradition seines Großvaters anzuschließen. Mit viel Inseraten und Werbung in bunten Medien und eben mit Interviews.
Der Falter hat für den Abdruck des Interviews weder Geld noch Inserate erhalten.
Meinl wird sich über das Interview jedenfalls sehr gefreut haben. Er spekuliert auf die Vergesslichkeit der Öffentlichkeit. Nachdem er mit seinen Finanzprodukten netto mehrere Hundert Millionen Euro verdient hat, stellt er sich nun als das Opfer dar. Gleichzeitig habe ich in der Gastronomie noch nie so viele weiße Sonnenschirme mit dem Meinl-Mohrenkopf gesehen wie derzeit. Schauen Sie auf Ihre Kaffeeschale oder auf die Untertasse. Was sehen Sie? Mohrenköpfe. Das hat es bisher nicht gegeben. Er versucht sehr geschickt und subkutan den Glanz der alten Marke zu revitalisieren. Dazu gehört, Kritiker zum Schweigen zu bringen. ... wie den ehemaligen Justizminister Dieter Böhmdorfer ...
Er war einer seiner vehementesten öffentlichen Gegner. Meinl hat ihm still und heimlich einen attraktiven Vergleich angeboten. Seither haben sich Böhmdorfer und seine Mandanten komplett aus der Causa zurückgezogen. Angesichts der Summen, die Meinl verdient hat, sind solche Gelder für ihn Peanuts. Auch mich hat er mehrmals geklagt und versucht, meine Reputation zu zerstören.
Hat er versucht, Sie zu korrumpieren?
Natürlich. Ich habe 2003 vor seinen Finanzprodukten gewarnt. Danach hat er mich zu einem Gespräch eingeladen. Wir haben über Gott und die Welt geredet, parlieren kann er ja. Er bot mir ein Beratungsmandat an, ich habe abgelehnt. Er sagte, die Pflege der Kapitalmarktkultur sei ihm sehr wichtig. Er sei bereit, dafür Ressourcen für Expertisen bereitzustellen. Ich habe akzeptiert, ein von einer Rechtsanwältin treuhändig verwaltetes Konto eingerichtet. Später hat er über seine Medienkontakte verbreiten lassen, ich hätte ihn beraten und dafür Geld kassiert.
Wieviel hat er aufs Konto überwiesen?
Ungefähr 25.000 Euro.
Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Bisher noch nichts. Aber das werde ich für den Zweck einsetzen.
In der Causa MEL ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrugs und Untreue gegen Meinl. Bis dato ist strittig, ob etwa der heimliche Rückkauf von MEL-Zertifikaten über eine Treuhand-Konstruktion legal war.
Meinl selbst versucht es so darzustellen, als wäre es gerade noch legal gewesen. Das heißt noch lange nicht, dass es fair und anständig war.
Anstand wird im Kapitalismus nicht belohnt.
Das stimmt wohl. Meinl hat jedoch das Vertrauen, das ihm Dutzendtausende Kleinaktionäre entgegengebracht haben, missbraucht. Die MEL war eine Art Volksaktie. Ob er gegen Gesetze verstoßen hat, muss noch ausjudiziert werden. Sollte es am Ende legal gewesen sein, Produkte zu vertreiben, die dem Anleger Schaden und dem Initiator einen hohen Gewinn bringen, dann muss man über diese Gesetze diskutieren. Wegen der Komplexität der Konstruktion und der Vehemenz seines Beraterheers tut sich die Justiz jedenfalls sehr, sehr schwer.
Meinl sagte in dem Interview, schuld am Kursverfall sei die Wirtschaftskrise.
Das ist die billigste aller Ausreden! Gerade Leute vom Typ Meinl haben die Krise wesentlich mitverursacht.
Indem sie was gemacht haben?
Indem sie bewusst übertriebene Erwartungshaltungen erzeugt haben, die dazu beigetragen haben, dass es zu Blasen kommt. Bevor diese Blase geplatzt ist, haben sie davon profitiert. Auf Kosten jener, die nicht die entsprechende Intelligenz, Erfahrungen, Bildung und Informationsvorsprung besitzen. Wenn es gut gegangen wäre, wäre es deren Erfolg gewesen. Jetzt, wo es schlecht gelaufen ist, tragen die anderen die Schuld. Das ist perfid.
Das gleiche sagt Meinl über seine Anleger.
Aber er trägt ja auch die Verantwortung für ihre Verluste. Denen wurden Kursentwicklungen vorgegaukelt, die langfristig nicht risikolos realisierbar waren.
Waren die Verhaftung und die hohe Kaution von hundert Millionen Euro, zynisch gesagt, letztlich eine vertrauensbildende Maßnahme für Markt und Justiz?
Der ursprüngliche Staatsanwalt hatte über ein Jahr lang keine Hausdurchsuchung durchführen lassen. Da musste man sich schon fragen, ob nun jeder vor dem Gesetz gleich behandelt wird.
Meinl argumentiert, der Kleinanleger habe seine Gier geteilt.
Das ist ja schon wieder so billig! Meinl hat den Leuten das Investment in MEL-Aktien, die eigentlich Zertifikaten waren, als vernünftige Alternative zum Sparbuch propagiert. Vermögensberater, die in der Praxis allzu oft Keiler sind, haben das für ihn erledigt. Sie haben hohe Provisionen dafür kassiert und vor allem im privaten Kreis diese Wertpapiere als das bessere Sparbuch verkauft. Die niedrigen Sparbuchzinsen haben dabei geholfen.
... Meinl als die neue Sumsi ...
Genau. Ich kenne viele Leute, die ihre Abfertigungen, Pensionen oder Erlöse aus Eigentumswohnungen eingesetzt haben. Das sind von der Mentalität her Sparer. Die wollten niemals ein hochriskantes Wertpapier haben. Diesen Leuten nun Gier zu unterstellen, ist eine Verhöhnung!
Was sind denn das für Leute, die österreichischen Kleinanleger?
Der Österreicher ist nicht risikobereit, sondern konservativ und naiv und vertrauensselig. Er kennt sich bei Vermögensveranlagung nicht wirklich gut aus und will sich damit auch gar nicht beschäftigen. Er ist jahrzehntelang auf den Sparefroh konditioniert worden. Als Kinder wurden wir am Weltspartag alle in die Bank gebracht. Und bei den meisten hat seither keine Weiterentwicklung stattgefunden. Da war es ein leichtes, Leute, die für Risken nicht sensibilisiert waren, für Produkte wie MEL anzusprechen.
Meinl bezeichnet Leute wie Sie als selbsternannte Kleinanlegervertreter, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus seien.
Das ist eine große Gemeinheit. Ich bin gewählt. Der Verein hat rund 4.000 Mitglieder. Ich bin weit über diese Gruppe hinaus eine oft kontaktierte Ansprechperson in Anlegerfragen geworden.
Jetzt rollt eine Klagsflut tausender Kleinaktionäre auf Meinl und beteiligte Vermögensberater zu. Was können sich die erwarten?
Die Leute werden bald resignieren, wenn sie drauf kommen, wie schwer es in Österreich ist, Schadensersatzansprüche zu realisieren. Für viele ist es auch wirtschaftlich unvernünftig, jetzt weitere Kosten auf sich zu nehmen. Sie haben bereits und werden ihre Einstellung zu Kapitalmarkt, Justiz und Politik ändern. Denn die Gesetze sind nicht im Interesse von Privatanlegern gemacht. Der Österreicher sagt in so einer Situation leider gerne: Na, da kann man halt nichts machen. Diese Mentalität hat Meinl mit seinen Helfershefern schamlos zu seinem Vorteil ausgenutzt.
Falter, 4.11.2009
| | | Autor: Falter Datum: 05.11.2009 | | |
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