Rasinger zu AWD: Flache Lernkurve

Die Werbewirtschaft kann sich über den AWD freuen: mit großflächigen Plakaten und häufig ganzseitigen Inseraten versucht die größte Finanzvertriebsorganisation Österreichs eine Imagekorrektur - mit eher nichtssagenden Sinnsprüche wie "Die Welt ist nicht perfekt". Der persönliche (früher unabhängige) Finanzoptimierer verspricht zwar einen "Mehr-Netto-Check" (was auch immer das sein mag), verweigert aber gleichzeitig uneinsichtig und hartnäckig eine Lösung mit geschädigten Kunden, die auf Betreiben und Beratung des AWD Immowertpapiere wie Immofinanz  (Stichwort: Mündelsicherheit) gekauft haben.
 
Auch das neue Management sucht sein Heil in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem VKI (Verein für Konsumenteninformation), der im Interesse vieler enttäuschter und frustrierter Anleger  aktiv ist. Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren, als wegen einer enttäuschenden Performance des Kapital & Wert-Immo-Produktes Flexibel Bodeninvest viele verärgerte AWD-Kunden öffentlich protestierten, wurde nach einigem Hin und Her ein Kompromiss gefunden. 
 
Aber Mitverantwortung für die hohen Verluste der Anleger zu übernehmen und einen Beitrag zur Schadenreduktion zu leisten, kommt den AWD-Verantwortlichen nicht in den Sinn. Damit der nun propagierte "persönliche" Berater nicht nur eine inhaltsleere Sprechblase bleibt, müssen die individuellen Verhältnisse des Kunden wie Einkommen, Ausbildungsstand, Veranlagungsziele, Verständnis für Risiko berücksichtigt werden. Geschickte Verkaufspsychologie darf nicht das Maß aller Dinge sein. Wichtig ist die Offenheit und Transparenz betreffend Honorierung des Beraters und der Vertriebsorganisation durch den Verkauf der jeweiligen Produkte, damit dem Kunden vor Augen geführt wird, dass das Bemühen um den Abschluss und die damit verbundene Freundlichkeit keineswegs gratis erfolgt.
Durch gewonnene Prozesse werden keine Kunden gewonnen. Zufriedene und fair behandelte Kunden sind die beste Empfehlung bei der Akquisition von Neukunden. Leider ist auch der neue Hauptaktionär des AWD, die Schweizer Versicherung SwissLife, nicht bereit, einen Schlusstrich unter die unerfreuliche Vergangenheit zu ziehen.  
 
Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
Datum: 02.11.2009
 
zum Seitenanfang Artikel versenden Artikel drucken

IVA-Newsletter

Erscheint 12 x jährlich
hier anmelden

RSS-Feed

Abonnieren Sie den IVA-Newsfeed mit allen aktuellen Stellungnahmen und Veröffentlichungen in Ihrem Newsreader.

RSS-Icon zum RSS-Feed